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Kommunikationsprobleme bei der Kommunikation

Die Körpersprache ist ein wichtiger Teil analoger Kommunikation
Ich vermeide nach Möglichkeit, Wikipedia zu konsultieren, wenn es um Alltagspsychologie oder menschliche Kommunikation geht – hier erweist sich Wikipedia als viel zu verkopft, um glaubwürdig zu sein. Nun habe ich aber einmal wieder einen Blick hineingeworfen und las dies:

Manchen Vorstellungen über Kommunikation liegt die Annahme zugrunde, dass Kommunikation nur möglich sei, wenn vorab ein gemeinsamer Zeichenvorrat, die gleiche Sprache und eine vergleichbare Sozialisation der Kommunikationsteilnehmer bestehe. Diese Vorstellungen erweisen sich bei näherer Betrachtung als problematisch. Zunächst lässt sich damit nicht die Frage beantworten, wie Zeichen und Sprache entstehen.


Das deutsche Wikipedia als fragwürdige Quelle

Ach, liebe Damen und Herren Wikipedia-Schreiber, das ist „Matsch am Paddel“, aber wirklich. Wir wollen eigentlich nicht wissen, wie vor tauenden von Jahren Zeichen, Laute und Begriffe entstanden sind, sondern was wir heute davon verwenden, und wie wir es nutzen können, nicht wahr? Aus dieser Sicht sind solche Wikipedia-Einträge oft nicht nur problematisch, sondern sinnlos.

Übrigens muss die Aussage insoweit korrigiert werden, als der gemeinsame Zeichenvorrat auch dadurch entstehen kann, dass analoge Methoden benutzt werden, um digitale Zeichen zu erläutern, oder mit anderen Worten: Ich zeige auf mich und sage: „Hans“, ich zeige auf mein Dorf und sage: „Dorf.“

Weiter gedacht, deutet der Wikipedia-Eintrag ja außerdem an, dass diese „problematische“ Vorstellung, die ohnehin nur von „manchen“ (offenbar minder qualifizierten) Gestalten vertreten wird, dann wohl falsch sein muss. Damit werden Nebelkerzen geworfen, die verhindern, heutige Kommunikation im rechten Licht zu sehen.

Basiswissen über Kommunikation aus der Kybernetik

Es ist vielmehr so, dass der Begriff des „Zeichenvorrats“ heute völlig missverstanden wird. Ein Zeichenvorrat ist in der Nachrichtentechnik (und in der Kommunikation) ein Vorrat an identischen Zeichen. Das "Lexikon der Kybernetik" definiert klar, was dies bedeutet (1). Dass aus diesem Zeichenvorrat dann erst Begriffe und Vorstellungen aufgebaut werden müssen (Programme, Bilder, Dialoge) werden müssen, ist bekannt. Und bekannt ist auch, dass im Dialog auch bei gleichem Zeichenvorrat fehlerhafte Übermittlungen stattfinden. Besonders tritt dies auf, wenn die Analog-Digitalumsetzung beim Menschen nicht reibungslos funktioniert – und das kommt ziemlich häufig vor. Insofern kommt die Kybernetik zum gleichen Schluss wie die Zweifler aus „Wikipedia“, die offenbar ein Kommunikationsproblem haben.

Erneutes Zitat (Wikipedia, deutsch)(4):

Dies zeigt sich insbesondere daran, dass auch zwischen gleichsprachigen Individuen umfangreiche und erklärungsbedürftige Kommunikationsprobleme bestehen können.


Philosophie oder sinnvolle Daten und Fakten?

Das ist natürlich richtig – aber es gilt nicht nur für „gleichsprachliche Individuen“, sondern durchaus auch für Dialoge zwischen Menschen und Maschinen, wie jeder Computerbenutzer vermutlich bereits feststellte. Ich denke, es wäre nötig, sich zuerst mit den kybernetischen Grundlagen zu beschäftigen, um dann philosophisch zu werden – dann hätten wir zumindest eine Chance, das Wissen über Kommunikation zusammenzubringen. Aber „Philosophie an der Technischen Hochschule? Das war den Geisteswissenschaftlern schon immer suspekt. Wenn Sie eine objektiviere Darstellung auf Wikipedia suchen, empfehle ich Ihnen die englische Version (5).


(1) Der Informationsgehalt eines Zeichens ist vom Repertoire abhängig, aus dem dieses Zeichen entnommen wird. Eine Bedeutung haftet also nicht an diesem Zeichen, sondern nur an einem Zeichen in seiner Eigenschaft als Bestandteil eines Repertoires mit einer bestimmten Struktur. (3) Heißt in Klardeutsch: Erst, wenn Zeichen strukturiert (beim Menschen also als in Sätzen) übermittelt werden, gewinnen sie an Bedeutung

(2) Analog-digital-Umsetzung:

Menschliche Gedanken stehe niemals „ausschließlich digital“ zur Verfügung, sondern mindestens teils analog, also nicht-sprachlich, jedenfalls aber noch nicht sprachlich ausformuliert. Genau wird Ihnen kaum ein Mensch sagen können, was er schon dachte, bevor er sprach, und was dann wirklich herauskam. Wenn Sie an Dialoge denken, so sollten sei wissen, dass derartige Analog-Digitalumsetzungen auch „rückwärts“ funktionieren müssen – die Sprache muss also wieder in einen Denkprozess umgesetzt werden, der im Gehirn mit Sicherheit nicht ausschließlich digital steht. Das kann man auch einfacher sagen: Über den sogenannten „gemeinsamen Zeichenvorrat“ ist es möglich, Dialoge zu führen, aber es ist nicht sicher, was aus diesem Dialog am Ende entsteht.

(3) „Lexikon der Kybernetik“ , erschienen im Oktober 1969 (Online nicht verfügbar)

(4) Wikipedia (deutsch)

(5) Wikipedia, englisch.

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