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Hass oder Zorn? Wie man Akif Pirinçci auch sehen kann

Er schreibt ein Buch im Zorn, aber das bedeutet nicht, dass er hasst. Warum Akif Pirinçci so zornig ist? Weil er zornig ist – und vielleicht, weil er gar ein zorniger Populist ist. Und um dies vorwegzunehmen: Ich stehe nicht dort, wo Akif Pirinçci oder Eva Hermann oder Thilo Sarrazin stehen und am allem herummäkeln. Das Buch heißt „Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ und es ist kritikwürdig. Die Wochenzeitung DIE ZEIT tat geradezu so, als wäre es nicht einmal das: kritikwürdig.

Wenn sich ein Mann seinen Zorn nicht mehr von der Seele schreiben darf, dann ist es schlecht bestellt um Deutschland. Die Etepetete-Gesellschaft, die verinnerlichte Frauenherrschaft, der Sozilogen- und Psychologenglaube und das inzwischen siegreiche Gutmenschentum haben längst zu einem öffentlichen „Neusprech“ geführt. Eine weichgespülte, frauenfreundliche, sozial korrekte und anti-sexistische Sprache, die Minderheiten verhätschelt, ist längst eher die Regel als die Ausnahme geworden. Ein Mann darf in Deutschland offenbar nicht mehr zornig werden – aber er darf noch verzweifeln.

Was Akif Pirinçci falsch macht, sind seine vulkanartigen Eruptionen eines an sich gerechten und teils äußerst berechtigten Zorns. Was ihm angelastet wird, ist die Feindschaft, für die die er sich auf ziemlich eindeutige Ziele eingeschossen hat: Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer.

Würde man das Ganze differenziert betrachten, so hätte Akif Pirinçci möglicherweise in ein Wespennest gestochen, das durchaus diskutabel ist. Unverkennbar ist beispielsweise der Einfluss der Elfenbeintürme, die das gesamte Definitionsrecht von Gut und Böse, Mann und Frau sowie Liebe und Sex okkupiert haben. Soziologinnen – und Soziologenschelte ist also nicht nur angebracht – sie ist ein Akt der Selbstverteidigung.

Zudem herrscht Meinungsfreiheit – und sie ist in Gefahr, wenn man nicht zulassen will, was Akif Pirinçci sagt. Erst jüngst stellte sich nahezu die gesamte konservativ-bürgerliche Presse gegen Akif Pirinçci, als dieser Partei für die Prostitution ergriff. Was doch wohl zeigt: Wer sich für Prostitution einsetzt, ist ein Menschen- und Frauenfeind, der eigentlich nach der „neuen Gynäkokratieordnung“ verboten gehört.

Man könnte hier weitergehen – und beispielsweise auf die Verquickung von Genderforschung und Feminismus hinweisen. Auch das tut Pirinçci, und niemand wird ihm dabei ernsthaft widersprechen können.

Also lasst um Himmels willen Pirinçci seine Meinung sagen – sie ist demokratisch legitimiert und keinesfalls mit einschlägiger dummdreister Rechts-Literatur zu vergleichen. Ihr, die ihr da draußen so ein großes Maul habt mit eurer Xenophobie und Homophobie und anderen Schlagwörtern: Widersprecht – das ist euer gutes Recht. Und dort, wo Pirinçci völlig „daneben liegt“, da gehören starke Argumente her und nicht weinerlich vorgetragener Emotionskitsch.

Warum dieses Buch so viele Menschen anspricht? Möglich, dass sie der Zorn mehr interessiert als der Inhalt. Und der nahezu unleugbare Umstand, dass wir wahlweise von der Bürger- und der Linkspresse verarscht werden. Menschen mögen nun mal nicht, wenn ihnen außer der Politik und der Wirtschaft auch noch die deutsche Presse jeden Tag weichgespülten Unfug um die Ohren haut. Nein, nicht immer und überall – aber zufälligerweise immer dort, wo es um exponierte soziale, emotionale, psychologische, feministische, geschlechtsbezogene oder „sexistische“ Themen geht.

Hinweis: (21.Oktober 2015) Inzwischen hat sich der Zorn vorn Akif Pirinçci in Hass gewandelt, den er öffentlich weiterverbreitet. Das ist nicht gut für unser Land, und Hass lässt sich (im Gegensatz zum Zorn) auch nicht mehr sinnvoll vermitteln.

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