Skip to content

Tatort vom Bodensee - Mord aus Güte?

Das Gute: In diesem Tatort "Côte d’Azur" waren nicht die bösen, von Raffgier oder Eifersucht getriebenen Kapitalistenschweine die modernden Bestien.

Mord mit sozialromantischem Hintergrund

Nein, nein, diesmal war es ein sozialer Romantiker, der das beste für einen Säugling wollte und deswegen mit der stumpfen Seite eines Hackebeilchens die Mutter tötete – übrigens im Wahn, der Vater zu sein. Möglich wäre es gewesen, denn die Mutter vögelte – stets besoffen – mit allen Männern herum, die sie traf.

Die erschlagene Mutter war eine äußerst zwielichtige Person. Kombinierte Hartz IV mit allen Tricks eines selbstsüchtigen Luders und beherrschte dies offensichtlich in ihren etwas nüchterneren Momenten perfekt. Nur war ihr der Säugling im Weg, der in ihrem Leben zwischen den Fronten von arm und reich immer mehr zur Last wurde.

Da waren noch die anderen Guten, die auch nicht so gut waren: Erstens ein Ermittler. Dem wird eine dusselige Information genau so überspielt, wie sie per SMS ankam – mehrdeutig. Und weil seine ruppige, alternde Kollegin daran einen Fehler sieht (nicht ihren Fehler, versteht sich), versucht sie den Psychoterror: Schlechtes Gewissen einreden.

Tote Mutter - gute Mutter?

Das funktioniert. Kommissar zwei, männlich, jung, sitzt tagelang am Bett des beinahe erfrorenen Säuglings, hat offenbar sonst nichts zu tun. Redet mit dem Kinderarzt, der – nach gründlicher Abwägung der Lage – froh ist, dass die Mutter tot ist. Der Zuschauer kann nun wählen zwischen der Meinung der Kommissare, das eine Mutter, die ihr Kind schädigt, immer noch besser ist als eine tote Mutter und der Meinung des Arztes, eine tote Mutter sei ein Segen für das bereits misshandelte Kind.

Die nette Folter-Kommissarin

Oh ja – Sozialdrama. Das sowieso. Und Drogen. Andere als Alkohol und Alkohol selbst. Klar können Menschen so sein – aber wollen wir die wirklich sehen? Und wird ein Sozialdrama glaubwürdiger, wenn man gleich eine ganze Gruppe Gestrauchelter zeigt, die doch eigentlich noch „ganz nett“ sind? Na ja, und am Ende hilft dann Frau Kommissarin auch noch einer suchtkranken Frau, die sie zuvor der Folter des kalten Entzugs ausgesetzt hat. Da wollte „Mutti“ Kommissarin wohl auch mal nett sein.

Ein bisschen Klamotte fürs Volk - und Ernst für einen ZEIT-Kritiker

Daneben ein bisschen Klamotte um Weihnachten, Weihnachtsmänner, Orang-Utans und Musikproduzenten und das alles – ich vergaß es fast, in Vorfeld der „Stillen Heiligen Nacht“, die am Ende auch für den Kitsch herhalten musste. Und nur der Zeit-Kritiker, der die Sache offenbar ernst nahm, schrieb:

Der Musikproduzent Jürgen vereint die schlechten Eigenschaften sämtlicher Außenseiter auf sich. Er ist exzentrisch, alkoholkrank und misogyn (1). Rechtfertigen müssen sich aber nur die Mittellosen und Solidarischen. Ein Deutsches Trauerspiel.


Ach, hatte ich mich nicht zu Anfang gefreut, dass es diesmal keine sozialistischen Gerechtigkeitstendenzen gab? Nun sind sie wieder da. Von der ZEIT hätte ich sie freilich nicht unbedingt erwartet.

Passen Sie, lieber Leser, bitte auf, dass Sie (falls Sie Musikproduzent, Künstler oder Schriftsteller sind, bitte immer auf, dass sie nicht "die schlechten Seiten sämtlicher Außenseiter auf sich vereinigen".

Zitat: DIE ZEIT.
(1) Anmerkung: Das Fremdwort "misogyn" bedeutet "frauenfeindlich".

Polizeiruf: verwirrend, unsinnig und völlig daneben

Mal ehrlich, Jungs von der ARD: So schlecht ist der Osten nun wieder nicht, dass ihr die Zuschauer mit euren „Krimi“ genannten Ränkespielen "Wendemanöver" so verarschen müsstet. Zeitweilig fühlt man sich doch tatsächlich ins Milieu der „Vorstadtweiber“ versetzt, und in der Tat ergeben sich da gewisse Déjà-vu-Effekte.

Die Regie soll ja gut gewesen sein – nun ja, wie man’s nimmt. Man könnte sagen: An einem beschissenen Drehbuch verzweifelt auch der beste Regisseur. Und am Ende wurde dann ein absolut dünner Stoff solange mit einer Mischung aus Hakeligkeiten, lachhaften Verwicklungen und Langeweile aufgeblasen, bis daraus ein Zweiteiler entstand. Wahrscheinlich, damit das blöde Publikum sich veranlasst fühlt, noch ein zweites Mal diesen Blödsinn anzusehen. Leute, habt erbarmen! Schmeißt eure Drehbuchschreiber raus! Oder wenn ihr euch ihnen schon verpflichtet fühlt: Sagt ihnen sie, sollten kürzere, kompaktere, aber verständlichere Drehbücher schreiben.

Vielleicht sollte ich noch anmerken, dass verschiedene Zeitungen im Osten diesen Krimi lobten – was wieder viel Licht auf die Befindlichkeiten der ostdeutschen Fernsehzuschauer wirft: Hauptsache, es sind unsere Leute, unsere Städte und unsere (angeglichen) Mentalitäten.

Überhaupt die Kritiker: Warum bemühen sich einige Redakteure unserer Abonnements-Gazetten eigentlich dauernd darum, die ARD schön zu reden, wo sie bestenfalls mäßig ist? Nur, weil das „Privatfernsehen“ noch mehr Blödsinn verzapft?

Die FAZ trifft meine Meinung am besten. Aber Selbst lustig sein sollende Szenen wie die Bestechung einer Psychologin wirken wie eingestreute Nummern von Altenabend-Komikern.
Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: 1 von 5, 3 Stimme(n) 784 Klicks

Krimi-Klamotte als TATORT aus Frankfurt

Die Presse kommt aus dem Lobhudeln über den neuen Tatort-Krimi gar nicht heraus: ja, das war mal etwas. Nicht wahr? Da erweisen sich ganze Abteilungen der Sitte als Komplizen der Mafia, und auch beim Morddezernat wird kräftig verschleiert. Muss einfach sein, weil die Guten eben auch nicht so gut sind.

Ach ja. Alles deutet auf Selbstmord, war es aber nicht. Ja, wenn es das gewesen wäre – wozu dann der Aufriss, einen Krimi zu schreiben? Der Zuschauer ahnt: Klar war es Mord. Und dann? Man fragt sich, ob man in einer Boulevardklamotte ist, oder in einer Ermittlung. Persönliches ist gefragt, Tatsachen oder gar Ermittlungsarbeit werden nebensächlich, genau wie die Handlung. Erst purzeln Münzen auf die Straße, dann flattert ein Geldschein herunter. Und schon denkt man: hey, da kommt doch noch etwas? Tatsächlich fällt schließlich (platsch!) ein Mensch herunter, der dabei ein Autodach verbeult.

Ein anderer Mensch, seines Zeichens Polizist (Sitte) wird parallel von einem weiteren Polizisten (ebenfalls Sitte) erschossen. Später wird seine sterbliche Hülle aufgefunden, natürlich von einem Gauner. Doch leider verbleibt dessen Körper im Kofferraum eines Autos, das … ach, welche glückliche Fügung – bei einem Schrotthändler deponiert wurde. Schon denkt man: Aha, und wann wird es geschreddert? Es wird – mitsamt der Leiche. Welch toller Einfall, nicht wahr?

Oh ja, toll. Aber wird werden aufgeklärt: zum Beispiel vom Tagesanzeiger, der schreibt (wohlmeinend, aber vielleicht sogar zutreffend):

Klar, dass der Drehbuchautor Erol Yesilkaya keinen realistischen Kriminalfall inszenieren, sondern Klischees und Konventionen hinterfragen wollte.

Für eine Kriminalsatire reichte es aber nicht, weil die Stellen zum Lachen fehlten – und die Figuren nicht „überzogen“ genug waren. Klar ist die Psychologin Anna Janneke ein bisschen neben der Spur, klar ist Kollege Paul Brix ein einsamer Wolf mit eigenen Gesetzen. Aber das reicht eben nicht – und mal ehrlich, heute ist „Kottan ermittelt“ auch nicht mehr so witzig, wie es mal war.

Ach ja – die Presse meint überwiegend, das sei Autor und Regie eine ganz große Nummer gelungen. Und fragt, was der typische Zwerg Nase, der „Tatort“ sieht, nun wirklich wissen will. Was ist eigentlich mit dem Kommissar und seiner eigenartigen Mitbewohnerin? Und wie wird sich das Verhältnis von Kommissar und Psychologin entwickeln?

Ein Kriminalfilm? Eine Krimisatire? Ein Sammelsurium schrulliger Typen? Nein, nein: Irgendetwas muss das Fernsehen ja am Sonntagabend bringen. Und erwartet wird ein „Tatort“. Also wird auf Biegen und Brechen einer gebastelt. Und heraus kommt dann eben eine Krimi-Klamotte.

Tatort: Langeweile beim Inder

Irgendwie macht Langweile alles zunichte. Zumal, wenn es um einen Krimi geht.

Da ist Stuttgart, der ehemalige königliche Stutengarten, der heute ein elendes, zugebautes Betonloch ist. Da ist der Bahnhof, dessen Umbau die Stuttgarter Zivilgesellschaft spaltete. Und das ist die Spätzle-Connection, die auch schon mal „Schwäbische Mafia“ genannt wurde.

Ach, du liebes Bisschen – und in dem ganzen, schwäbisch-undurchsichtigen Politabenteuer geschieht nun auch noch ein Mord. Irgendwie taucht eine Tschechin auf – recht undurchsichtig. Und sie bringt den angeschossenen Mörder in die Arztpraxis Ihres Vaters – nach Tschechien, versteht sich. Der pult dann die Kugel aus dem Körper. Ich verkneife mir mal, die Entfernung auszurechnen. Klar, dass die Sache schief geht. Mörder haben eben eine Scheißmoral. Genau wie Investoren – macht sich gut beim „kleinen Mann“, sie ständig zu verhetzen.

Kapitalisten sind - wir wissen es aus vielen Tatort-Krimis - immer böse. Politiker nicht ganz so, denn die wollen sich – vor allem im Schwabenland – gerne ein Denkmal setzen. Was zumeist scheitert, weil schwäbische Politiker in recht fest gefügten Strukturen denken. Da reicht's nicht für persönliche Größe.

Ab und an hatte der Tatort „Der Inder“ tatsächlich intellektuelle Highlights – zum Beispiel wenn auf die Amphibien hingewiesen wird, die ihren erweiterten Lebensraum eigentlich der Bahn verdanken. Wie denn überhaupt aus dem Munde des Charakters „Busso von Mayer“ mehr Wahrheiten kamen als von manchem Stuttgarter Wutbürger.

Der Rest des Krimis aber war eine lähmende, absolut langweilige Vorstellung, die mit vielen Klischees und „schon mal irgendwo gesehen“ arbeitete und den Zuschauer bestenfalls verwirrte. Ja, und die Tschechin? Ja, die Tschechin. Die haut wieder ab. Nach Tschechien. Abspann.
Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: keine, 0 Stimme(n) 819 Klicks

Ohne Leiche gesehen – Männer sind Scheiße, Frauen abhängig

Der Krimi am Pfingstmontag war ein Fressen für Moralisten. Doch am Ende gab es nur Verlierer.

Die Geschichte eines Ehepaares, durchaus prominenten Beispielen abgesehen: Sie hat ihn geheiratet, also steht sie zu ihm. Er vögelt ziemlich viele junge Frauen, die in sein Raster passen – einige behauten, sie hätten es nicht freiwillig getan. Da ergibt sich die Gelegenheit, die Karriere des Mannes zu beenden: Politische Gegner präparieren einen weiblichen Lockvogel, der später aussagen soll, er sei vergewaltigt worden.

Soweit kommt uns die Geschichte bekannt vor, und sie wird brillant und absolut glaubwürdig gespielt. Doch dann werden Blödheiten eingeflochten: Es geht plötzlich um intellektuelles Kaffeekränzchen-Geschwätz: die Frauenquote, die der Politiker offenbar auf Betrieben seiner Ehefrau sozusagen „durchboxen“ sollte. Die Erleuchtung: Ein Politiker, der Dienstmädchen vögelt, wird kaum noch eine Frauenquote durchbringen.

Da waren Frauenbilder – nur welche? Die „Frau an seiner Seite“ war absolut hart, wusste, wen sie geheiratet hatte. Für Lieschen Müller rätselhaft – die ist ja auch nicht Ehefrau eines bekannten Politikers. Wer weiß schon, wie jemand denkt, dessen Ehemann ohnehin kaum mehr als „Besuch“ ist? Und da war dieses lächerliche Frauenbild, das eine Kommissarin abgab, die längst nicht mehr weiß, wo sie hin will und wo sie hingehört. Das schreit förmlich nach Pensionierung.

Wie im richtigen Leben wird der Lockvogel in Watte gepackt. Armes Ding! Aber ach - er wurde ermordet, schließlich sind wir ja in einem Kriminalfilm. Wir werden mühsam damit konfrontiert, dass dieses Zimmermädchen kein Lockvogel aus freier Entscheidung war, sondern ein Opfer des Systems. Sie wurde „gezwungen“, den Lockvogel zu geben und tat es willfährig. Frauen sind eben Opfer, selbst dann, wenn Sie Männern ihre Karriere vermasslen und dafür Geld annehmen. Im Film wurde viel dafür getan, um zu suggerieren „dieser geilen Sau gehört’s ja nicht anders“. Womit klar wäre, dass Männer, die sich von weiblichen Lockvögeln verführen lassen, eben Dreckschweine sind und die Lockvögel im Grunde Heldinnen des Feminismus.

Es sei denn – sie würden ermordet. Obgleich sich der Film auch sonst Mühe gibt, die Tat des Zimmermädchens zu veredeln, macht erst der Mord deutlich, dass es nur ein Opfer geben kann: das Zimmermädchen.

Das Drehbuch lässt am Ende auch noch die Frau des Politikers sterben. Zurück bleibt neben dem Politiker, dessen Karriere nun im Arsch ist, auch noch die Kommissarin, die nur noch ein Schatten ihrer selbst ist und das Leben nicht auf die Reihe bekommt.

Kritiker wollen gesehen haben, dass die Kommissarin Odenthal gelegentlich wieder zur alten Frauenpower aufgeschwungen hat. Das wirkte auf mich alle eher wie Akte der Verzweiflung, wie jemand, der mit dem Rücken zur Wand noch einmal beweisen will, dass er zu irgendetwas taugt. Und der Co-Komissar? Ach ja, das ist der nette Mann, das Bärchen, der Kumpel. So sollten Männer sein, nicht wahr? Kuscheltiere zum Herholen und Wegwerfen.
Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: 1 von 5, 1 Stimme(n) 724 Klicks

ESC: Anreihung von Belanglosigkeiten

Der 60. Eurovision Song Contest hatte – musikalisch gesehen – keinen einzigen wirklichen Höhepunkt, aber selbstverständlich einen Sieger. Der kam aus Schweden, konnte singen und nett in die Kamera gucken – und war doch nichts als Durchschnitt.

Wie denn überhaupt alle Lieder, die in Wien geboten wurde, im Grunde genommen Belanglosigkeiten waren. Immer wieder, auch beim Siegerlied, kam mir der Gedanke: „Das habe ich schon einmal gehört, nur nicht ganz genau so.“ Schließt man die Augen, so könnte man meinen, dass irgend so ein Juke-Box-Sender im Internet B-Seiten abnudelt.

Der ESC ist ein gutes Beispiel dafür, dass „am Reißbrett“ konstruierte Schlager letztendlich keine wirklichen Erfolge werden, weil sie zu steril sind. Im Rundfunk sieht man später keine Lichteffekte, keine Ausschnitte bis zum Bauchnabel und keine schicken Frauen- und Männergesichter. Da will man Musik zum Hinhören, die Freude bereitet.

Deshalb sind die „null Punkte“ für Deutschland eigentlich leicht zu verkraften. Denn ob für Durchschnitt null Punkte oder ein Pokal vergeben wird, ist im Grunde genommen gleichgültig.
Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: 1 von 5, 1 Stimme(n) 718 Klicks

Echo auf ECHO – die Show ist alles

Eigenartiger hätte die Welt gestern nicht sein können: Menschen, die sich halbwegs als „echt“ bezeichneten, waren befangen, betroffen und wie gelähmt angesichts des Unglücks, das Deutschland getroffen hat. Doch der Musik-Zirkus, der sich „Echo“ nennt, zeigte das übliche Gesicht: Sich gegenseitig feiern, hochjubeln und loben. Um Musik geht es ohnehin kaum noch: Die Show ist alles, Geld muss fließen, Illusionen müssen aufrechterhalten werden. Ja, es gab ein bisschen „handgemachte Musik“, ein paar Lichtblicke. Aber im Grunde war eben alles nur ein schwaches Echo auf eine Branche, die täglich Sinnloses produziert, um Menschen die Seele zuzukleistern und das Denken abzugewöhnen.
Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: keine, 0 Stimme(n) 941 Klicks

Bella Block: eine alternde, eigensinnige Nörglerin

Es ist schon eigenartig, wenn man Kritiken anhand der Vorankündigungen schreibt, wie es offenbar der Filmkritikerin der „Stuttgarter Zeitung“ ging. Doch zunächst zur Heldin des ZDF: Bella Block.

„Bella Block“ ist eine eigenartige Figur der Krimigeschichte. Sie wirkt nahezu ausschließlich auf Frauen: Selbstherrlich, bisweilen bis an den Rand der Unbelehrbarkeit treibt sie ihre Ermittlungen voran – und behält am Ende recht, auch gegen zahllose Widerstände. Offenbar erkennen sich in ihre viele Frauen wieder, vor allem solche jenseits der 50.

Das mag auch der Grund sein, warum das ZDF weitere Folgen für die Figur der „Bella Block“ und ihre beliebte Darstellerin, Hannelore Hoger, schreiben ließ.

Die Stuttgarter Zeitung schwärmt:

Fabian Thaesler hat das Buch geschrieben, Christian von Castelberg Regie geführt. Es ist wohltuend, dass sie dem Zuschauer nicht jeden Intellekt absprechen, wie es in Krimis nicht selten der Fall ist. … (und) … den Weg zur Auflösung wird er nicht einmal erahnen.


Aha – man wird ihn nicht einmal erahnen. Dabei liegen die Todessehnsucht und die lesbische Beziehung geradezu in der Luft. Sie wird später in der Manier von Groschenromanen kitschromantisch per Tagebuch aufbereitet und in Rückblicken gezeigt. Die Dialoge wiederholen sich ständig. Die Ex-Kommissarin weiblich-eigensinnig, der Ex-Staatsanwalt männlich-rational. Das hätte für eine Szene gereicht, wird aber ständig neu aufgelegt. Dazwischen ein diffuses Gebrabbel über den Wert und Unwert von Männerfreundschaften. Die Handlung ist eher sparsam angelegt. Man arbeitet mit Träumen und Rückblicken, das schindet Zeit. Intellekt beim Zuschauer ist überflüssig. Man hat Zeit, pinklen zu gehen – es wird sowieso nichts geschehen, schon gar nichts, was das Hirn herausfordert.

Das Beste am Film war ein Gag: Sichtlich genervt von dieser Frau Block drückt eine portugiesische Kommissarin ihr Missfallen über die ständigen Einmischungen aus: „Frau Bundeskanzlerin“ nennt sie die Nörglerin und Besserwisserin auf Deutschland.

Wenn ich es in einem Satz ausdrücken sollte, würde ich sagen: Viel mehr als eine eigensinnige, alternde Nörglerin ist von der Person der Bella Block auch nicht übrig geblieben.

Ich sah die Sendung „Für immer und immer““ gestern vorab in ZDF Neo.
Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Tags für diesen Artikel:
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: 1 von 5, 1 Stimme(n) 902 Klicks

Tatort mit Spökenkiekerei

Der „TATORT“ ist Geschichtsmüll, der kaum noch eine Zukunft hat. Also wird er „aufgepeppt“. Diesmal mit „Vielleicht“.

Die ARD wendet sich mit diesem angeblichen „Krimi“ an Frauen – ganz klar. Kaum eine Frau, die nicht einen leichten Hang dazu hat, bei Spökenkiekern schwach zu werden. So überrascht es niemanden, dass Kommissar Felix Stark und sein Team eine überkandidelte Norwegerin ernst nehmen, die das hat, was die Esoteriker als das „Zweite Gesicht“ bezeichnen. Wahrscheinlich lernt man auf der Polizeischule: „Fakten zählen bei der Prävention kaum, Hellseher sind die Lösung.“

Der Zuschauer weißt bald: Die muss man ernst nehmen, weil sie Morde voraussagen kann – jedenfalls unter gewissen Voraussetzungen. Also beschäftigt sich Kommissar Stark lange mit dieser Frau, die ihn (man ahnt es schon bald) selber in seinem Blut liegen sieht.

Das schockiert den Kommissar so, dass er sich flugs aus dem Staub machen will – Versetzung, sofort. Schafft er aber nicht. Ab da ahnen wird: Scheiße, das geht schlecht aus – der wird in der nächsten Folge nicht mehr gebraucht, der muss abserviert werden.

Schmierenkomödie TATORT

Der Rest ist so albern, dass man es gar nicht glauben mag: eine Schmierenkomödie. Drei Polizisten mit schusssicheren Westen essen in einer Pizzeria und warten auf die Opfer. Die kommen auch, aber sind sie’s? Ganz passt es nicht. Da wird per Handy die Spökenkiekerin herbeigerufen, die sich auch auf den Weg macht, weil sie das Lokal verifizieren soll. Wohlgemerkt: durch Spökenkiekerei.

Die Polizisten verhalten sich zunächst unauffällig, werden aber plötzlich auffällig. Der Kommissar zeiigt (warum auch immer) plötzlich theatralisch den Dienstausweis und verschwindet mit dem gesamten Team zum Chef in die Küche, um nun (man denke: jetzt) Ermittlungen anzustellen.

Kaum sind sie da, geht’s piff-paff und die bedien liegen Mausetot auf dem Tisch des Hauses. Überraschung, Überraschung.

Noch einmal piff und paff, und der Kommissar liegt am Boden: Zwei weitere Schüsse, und einer davon geht auf komplizierte Weise längs durch den Körper des Kommissars.

Am Ende der übliche Krankenhausflur, alle stehen und sitzen herum, sorgen sich um den Kommissar. Die Spökenkiekerin hat inzwischen ihre Fähigkeiten verloren und weiß auch nicht, ob er durchkommt. Der Arzt auch nicht. „Vielleicht“, sagt er. Aha, daher der Titel.

Märchen für weibliche Esoteriker?

Vielleicht sollte man die Serie TATORT einfach sang- und klanglos einstellen. Dieser TATORT jedenfalls war eine weitere Zumutung für Krimi-Liebhaber.

Nun ja, vielleicht war er ja für Frauen geschrieben, die gerne Märchen für Erwachsene sehen. Wie wäre es, demnächst Werwölfe oder Untote als Zeugen, Opfer oder Täter zu verwenden?


Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: 1 von 5, 1 Stimme(n) 914 Klicks

Schmierenkomödie mit Mord - "Tatort" genannt

Was sollte denn das, ARD? Ein bisschen Schmierenkomödie? Der Tatort "Wahre Liebe" aus Köln war einfach so dusselig, dass man sich schämt, ihn überhaupt angesehen zu haben. Von dem flachköpfigen Ausdruck „Liebes-Päpstin“ für die Inhaberin einer Online-Partneragentur bis hin zum mehrschichtigen, gleichwohl aber völlig absurden Geschehen war der gestrige ARD-Krimi nichts mehr als ein verfilmter Groschenroman auf unterstem Niveau. Was Autor Maxim Leo da als Drehbuch abgeliefert hat, spottet an sich schon jeder Beschreibung – und daran konnte auch die Regie kaum etwas ändern, die sich allerdings auch wenig darum bemühte .“Billig abgedreht“ kann man da wohl sagen.

Der Hergang ist trivial: Die „Chefin“ einer Online-Partneragentur wird ermordet – verdächtig sind der betrogene Ehemann, drei schrecklich albern dargestellte Opfer eines Liebesbetrügers und eben jener Liebesbetrüger selbst. Die waren es allerdings allesamt nicht, und man fragt sich: Warum sollten sie auch?

Stattdessen wird mit billigsten Gags in der Nebenhandlung gearbeitet: Eine neue „Assistentin“, die sich dumm und piepsig gibt, aber offenbar nicht ganz so doof und linkisch ist, wird als Lockvogel eingesetzt, um den vermeintlichen Täter zu fangen. Doch just in dem Moment, als sie sich in einem Café mit ihm treffen will, ist niemand vom Team zu erreichen – also geht sie allein. Dabei ist sie so linkisch und unvorbereitet, dass man sich die Haare rauft – und in der Tat merkt der Schwindler schnell, dass etwas nicht stimmt. Doch damit nicht genug: Der ertappte Betrüger riecht Lunte und verpisst sich. Nach einer Zeit, die man wohl gut in „ein paar Minuten“ messen kann, beschließt die neue Assistentin, ihn zu suchen. Sie nimmt zielgenau den Weg durch die Küche und trifft ihn tatsächlich in einer einsamen Gasse wieder, was dieser natürlich nicht gerne hat.

Es kommt, wie es kommen muss: Der Betrüger überwältigt die Polizistin, und fesslet sie an einem einsamen Ort. Das gibt der Regie Gelegenheit, die mit den Fesseln kämpfende piepsige Frau immer wieder zu zeigen, weil die Handlung viel zu zäh und trivial ist, um „am Tatort“ zu bleiben. Logisch, konsequent und systematisch wird ohnehin nicht ermittelt.


Man kennt eigentlich diese Schmierenkomödien mit Mord in der ARD – nur werden sie dann bewusst und durchgehend mit schrulligen Gestalten bevölkert, sodass jeder weiß, was er zu erwarten hat. Das ist akzeptabel.

Doch das Schema, die angejahrten Kommissar-Gestalten aus Köln (Ballauf und Schenk) mit ein bisschen Bauerntheater aufzupeppen, passt einfach nicht. Der „TATORT“ vermieft immer mehr, und offenbar gibt es kein Rezept, diesen Verfall aufzuhalten.
Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: 5 von 5, 1 Stimme(n) 1069 Klicks

Die Rattenfänger des Fernsehens

Eine auf Kunstfilm getrimmte Romantik-Schauder-Story, als Geschichte schlecht angelegt und ebenso schlecht aufgebaut: Das war der „Fernsehfilm der Woche“ mit dem Titel „Die Toten von Hameln“. Wer die Ratten waren, die da gefangen werden sollten, wurde schon zuvor klar: Fernsehzuschauern wurde im ZDF das Blaue vom Himmel und das rote der Hölle versprochen, wenn sie den Film sehen würden. Doch schon im ersten Drittel des Films wurde klar: Da ist man den Rattenfängern des ZDF in die Höhle gefolgt.

Multiple Persönlichkeit, schlecht angelegt

Die Heldin ist Chorleiterin, und sie leidet offenbar unter einer schweren Psychose. Das Buch ist so angelegt, dass man nicht recht unterscheiden kann, wer gerade in dieser Frau spielt: die Liebende, die Tochter, die Chorleiterin, die Meschuggene, die Hellsichtige? Wie in einer schlechten Mischmarmelade wird alles in diese Frau hineingelegt, und da kommt natürlich die Frage auf: Wie soll das die Schauspielerin bewältigen? Indem sie überwiegend leidend, zumeist aber nur rehäugig in die Gegend schaut. Filmkritiker behaupten, sie könne wesentlich mehr als dies, andere wollen dann und wann ein schauspielerisch wertvolles Zucken der Gesichtsmuskulatur bemerkt haben, das angeblich lobenswert ist. Sei es drum. Ich beurteile keine Schauspieler, sondern Storys.

Nichts passt in den "Toten von Hameln"

Die Geschichte hat mehrere Handlungsstränge, die sich überschneiden, aber nicht recht passen wollen. Da ist einmal ein dunkles Familiengeheimnis, das bereits einen Mord zur Folge hatte. Und da sind andererseits junge Mädchen, die ein Höhleneingang verschlungen hat und mit deren Hilfe nun Assoziationen an den „Rattenfänger von Hameln“ erzeugt werden. Die Bergrettung wird sich um sie kümmern. Man vermisst Anteilnahme seitens der Heldin, doch die ist ja meschugge. Warum aber auch die andren Chormädchen kaum Anteil am Verschwinden nehmen, bleibt unklar. Und derweil klärt die Heldin Familiengeheimnisse wie Frau Kommissarin im Krimi – plötzlich und mit dem ersten Griff in den Nachlass eines verstorbenen. Später freilich erinnert sie sich sogar, den Mord gesehen zu haben … aha, da begann also die Psychose. Nun ist auch das geklärt.

Liebe als fade Beigabe

Bleibt die Liebe. Irgendwie liebt die Chorleiterin den Organisten, der wieder bezichtigt wird, ein Chormädchen zu lieben. Aber irgendwie liebt niemanden den anderen wirklich. Wie der Kitsch des Schicksals es will, liebt die Chorleiterin aber noch ihren Ex-Verlobten, den sie bei dieser Gelegenheit wiedertrifft. Wie tröstlich. Und einfach, denn der Organist machte sich davon, wie der Rattenfänger von Hameln. Was die Figur eigentlich soll, bleibt unklar, und am Ende sitzt er dann auch auf einem Berg und hält eine Panflöte in der Hand. Soll wohl irgendetwas symbolisieren.

Wald, Deutsch, Schuld - am Ende nur fade

Vielleicht sollte die Story ja besonders Deutsch sein: deutscher Wald, deutsche Sagenwelt, deutscher Sang, deutsches Seufzen, dunkle deutsche Geschichte mit Schuld ohne Sühne.

Ja, sie war besonders deutsch: fad und in der Fadheit völlig überzogen.

„Am Ende des Flurs“ – Klischees statt Psychogramm im Krimi


Fernseh-Kritiker sind eigenartig: Sie lassen sich offenbar von Vorab-Lobhudeleien so einlullen, dass sie nicht mehr sehen, wie ungeeignet ein Drehbuchsein kann, wie verwirrend eine Regie und wie klischeehaft die Charaktere. Dabei gibt die ARD im Grunde genommen vor, was angedacht war: Das Psychogramm einer Frau, nachträglich anhand eines Mordes aufgerollt – das wäre es gewesen. Zitat:

Als man an einem grauen Morgen ihre Leiche vor einem Hochhaus findet, heruntergestürzt aus dem 12. Stock, hinterlässt sie eine Reihe von Männern, die sie verehrt und geliebt haben. Lisa war ihnen allen so nah und zugetan, dass am Ende keiner wusste, ob wirklich er gemeint war.


Der Versuch, dies zu tun, misslang in jeder Hinsicht – man muss nur die Kritiken lesen. So will es beispielsweise der Kritiker der FAZ gesehen haben:

„blockquote>(Sie hat) … nach der Trennung vom Kommissar ihr früheres Dasein als Edelprostituierte wieder aufgenommen.

Die wahrscheinlichste Ursache für das Unvermögen, daraus ein Psychogramm zu entwickeln, liegt bei der Umsetzung des Drehbuchs, das schon an sich kaum etwas hergab. Die „Süddeutsche“ schoss den Vogel bei der Lobhudelei ab und nannte den TV-Krimi „Am Ende des Flurs“ ein „großes Drama“. Wo ist das „Drama“? Da wird eine Dame vom Balkon gestoßen und stirbt. Diese Frau führt ein Leben, auf das im Film nur nach und nach etwas Licht fällt, und das, was davon im Film zu sehen ist, trägt eher zur Verwirrung der Zuschauer bei als zur Klärung.

Der größte Bluff dabei ist der „Kommissareinschub“, also die Beziehung eines der beiden ermittelnden Kriminalisten als „Gutmenschenepisode“ im Leben der Frau. Er zerstört die Geschichte und bietet gleichwohl ihre Existenzberechtigung als ARD-Krimi an. Das kann eigentlich nur schiefgehen, und tatsächlich ist dieser Teil der langatmigste und unglaubwürdigste des gesamten Films. Die Regie ist damit gefangen: Sie muss etwas umsetzen, was sich im Grunde gar nicht umsetzen lässt. Um es vorwegzunehmen: Obgleich das Opfer in vielen Szenen vor dem Mord zu sehen war, wurden sie dennoch zur Randfigur. Ein Psychogramm, warum eine Frau so lebt, warum sie in dieser Weise liebt? Eine Idee, warum ihr Männer verfallen und sie dies genießt? Weit gefehlt. Zunächst etwas verschämt, dann immer klarer wird im Film herübergebracht: Ja, sie war ebene eine Nutte, eine Edelnutte zwar, aber eine Nutte. Da vergisst mancher Kritiker sogar den Namen des dargestellten Charakters, ganz zu zu schweigen von der Darstellerin Fanny Risberg.

Die „Abendzeitung" spricht davon, dass einer der Freier seine eigene „Nutten-Philosophie“ entwickelte – doch wurde nicht in der Umsetzung der ganzen Geschichte deutlich, dass die Ermordete im Grunde keine „Person“, sondern eben "nur" eine Hure war? Wenn es dazu eines Beweises Bedarf, so muss, man nur die Kritiken sorgfältig lesen: Kaum ein Kritiker nimmt die Schauspielerin wahr, die als Opfer fungierte, und keiner der Kritiker versucht, die Motive der Heldin zu begreifen. Selbstverständlich ebenso wenig die Empfindungen der Herren, die sie bezahlen. Sie ist halt „das Gspusi der halben Stadt, das nun noch postum Ehen zerrüttet“. Wenn da „posthum Ehen zerrüttet wurden“, ist es ja wohl nicht die Schuld des Opfers, sondern es sind die rabiaten Polizeimethoden der Ermittler. Was sollten denn hier bewiesen werden? Freier sind ohnehin Arschlöcher?

Nun gut, da wurde ganz hübsch geschauspielert, gelegentlich gar hochkarätig. War das nun wirklich alles? Im Grunde genommen wurden im gesamten Film nur Versatzstücke gezeigt, Klischees gepflegt und (letztendlich) eine „olle Kamelle“ gelutscht. Die Nutte“ muss streben, weil sie eine „Nutte“ ist – und damit ein schlechter Mensch, und ihr wohlhabender Freier wird dann auch noch per Sportwagen in den Todesrausch geschickt. Die Welt ist am Ende in Ordnung – für Spießer.
Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: 1 von 5, 1 Stimme(n) 1055 Klicks

Tatort Leipzig: besser plakativ als eine langweilig Sozialstudie

"Frühstück für immer" – Krimi gelungen, Sozialstudie für den Arsch.

Die Zutaten zum Tatort aus Leipzig waren kaum anders als sonst üblich: Bizarre Welten, die feine Gesellschaft, ein bisschen Softsex, anreichertet mit einer weichgespülten Sadomaso-Welt. Schon nach kurzer Zeit ahnt man: drei verdächtige Männer, die’s nicht sein können. Also war es eine Frau, dun also war das Mordmotiv Eifersucht. Das war es in letzter Zeit häufiger, nicht nur im Tatort.

Der STERN-Kritiker Jens Wiesner ist nicht zu beneiden. Er fordert großes Kino, bewegende Gefühle und schreibt: „Es hätte eine tieftraurige und bewegende Studie in Sachen Einsamkeit, gesellschaftlicher Erwartungen an Frauen und ihren Umgang damit werden können.“ Hätte er wohl gerne gehabt. Aber erstens ist es nur das übliche Scheißfernsehen, das möglichst anspruchslose Unterhaltung mit einem Schuss unverträglicher Moralinsäure bieten muss. Eine „Studie in Sachen Einsamkeit?“ - da kann ich nur Hohnlachen – zur Tatort-Sendezeit? Im Ersten? Da ist für echte Gefühle doch viel zu wenig Platz – und im Krimi sowieso nicht.

Ist es dennoch eine Charakterstudie der Frauen über 40? Wohl kaum. In nahezu allen Kritiken wird heute ein Satz hervorgehoben, der vielleicht zu Anfang der 1970er Jahre galt: „Wenn wir in ein gewisses Alter kommen, dann verschwinden wir Frauen einfach so aus den Blicken der Männer. Das ist dann manchmal so, als wär' man gar nicht mehr da“. Richtig ist: Das war einmal so. Und richtig ist auch, dass es mit jedem Lebensjahr über 35 für eine Frau schwerer wird, einen Partner zu finden. Aber der größte Teil der ledigen Frauen, der um die 40 herum sucht, hat, verdammt noch mal, einen egoistischen Eigenanteil daran, weiterhin allein zu sein.

Im Tatort handelten Abziehbilder statt Personen

Ich kann nicht umhin, die „Personen“ im Stück als „Figuren“ zu bezeichnen. Außer der Toten, die wir naturgemäß nicht lange lebend sehen, treffen wir nicht auf Frauen, sondern auf Abziehbilder anspruchslos aufgebauter Charaktere, die allesamt wie künstlich gealtert wirken, mit aufgeschminkter Tristesse. Den weiblichen, verholzten und bisweilen wie Zombies agierenden Gestalten setzt die Autorin typische männliche Klischees entgegen: Einen überkandidelten Flirtcoach, der nichts kann als ein paar Hohlsprüche abzulassen, beispielsweise. Er ist nicht einmal überzeichnet, die Männer des Reallebens, die den „PUA“-Stuss verkaufen, haben noch weitaus ekelhaftere Sprüche drauf. Der Schönling, mit dem sich die Tochter des Opfers umgibt? Na, der ist zwar hohl im Kopf, aber offenbar ein Mann, den die Tochter will – vielleicht passt die Intelligenz beider ja aufeinander. Schließlich der Schönheitschirurg, der ein geheimes Liebesnest mit einer niedlichen Sammlung von Soft-SM-Geräten unterhält. Ob die Drehbuchautorin die Szenen von vornherein mehrfach weichgespült hat oder ob es die potenzielle Abscheu der Zuschauer vor SM-Szenen ist: Es wird nicht recht klar, worin die Lust der Frauen am Extremsex nach Art der „Shades of Grey“ oder gar der Realität besteht. Zwar darf der Zuschauer einen kurzen Blick auf eine eigentlich sehr hübsch gespielte Szene werfen, in der außer den bedien Akteuren auch noch das Streicheln mit einer Peitsche eine Rolle spielt, aber grade dadurch wird die SM-Szenerie eher ein aufgesetztes Beiwerk.

Bleiben wir bei Emotionen: Abziehbilder haben keine Emotionen. Ob die Chirurgen-Gattin in Strapsen vor ihrem Mann erscheint, um endlich auch mal so behandelt zu werden wie die Gespielinnen, oder ob sie später bei der Vernehmung in einem Tränenstrom zu ersticken droht – alles wirkt wie aus einem Comicstrip.


Ich wundere mich, dass der Mutter-Tochter-Konflikt nicht stärker hervorgehoben wurde – vielleicht, weil er der Autorin am Ende peinlich war? Weil er nur dazu dienen sollte, einen zusätzlichen Verdächtigen einzuführen? Der Konflikt versandete in der Geschichte immer mehr – wie überhaupt alle Konflikte im Film seltsam starr an der Oberfläche herumschwammen.

Was blieb, war immerhin eine Geschichte, die ein klein wenig anders war als das Übliche, und bei der zumindest die Umstände des Mords bis zuletzt nur schwer zu erraten waren. Man könnte also sagen: Krimi gelungen – „Sozialstudie“ für den Arsch.

Zitat aus "STERN".

Tatort – hoffentlich ist der Mist bald vorbei

Der Tatort "Großer schwarzer Vogel" hinterließ ein von Buch und Regie verwirrtes Publikum. Die Geschichte, mit "heißer Nadel" genäht, passte vorne und hinten nicht, gab nichts her - und war eigentlich nicht einmal ein wirklicher Kriminalfilm. Stattdessen liefen lauter traurige Gestalten durchs Bild, die einen Flickenteppich ausbreiteten.

Nein, darüber kann man keine ernsthafte Fernsehkritik mehr schreiben, nämlich über den Tatort „Großer schwarzer Vogel“ – das war eher ein mickriger Spatz, der da am Sonntag über den Bildschirm schlich.

Das Buch bestand aus einer Geschichte, in der so gut wie gar nichts glaubhaft war und deren Spannung ebenso verpufft wie die Emotionen. Alles ist trist, dümmlich gemacht und insgesamt völlig trostlos. Die Sache beginnt immerhin interessant: Ein Kind hat einen Unfall, der von einem lauten Knall ausgelöst wird - und tragischerweise stirbt es daran. Nein, eine Bombe war das eigentlich nicht, eher ein extremer Knaller, und nein, eine Tötungsabsicht bestand ohnehin nicht, dazu war die Bombe zu schwach, und ja, es war ein Unfall. Aber der Anschlag galt natürlich nicht dem Kinde, sondern einem Radiomoderator, der zu allem Überfluss auch noch ein Sorgentelefon betreut. Zwei müde Typen von Kommissaren schleichen sich durch den Film, und sie vermitteln den Eindruck, als wollen sie vorausnehmen, was der Zuschauer denkt: Hoffentlich ist der Mist bald vorbei.

Die Sache hat, das wird schnell klar, etwas mit einem Autounfall zu tun, in den er Moderator einst verwicklet war. Der Unfall wird tragisch aufgebauscht: Zwei Menschen starben, der Moderator lag monatelang im Koma. Irgendwie teilt er mit seiner Ex-Freundin ein Geheimnis. Irgendwie war er am Ende schuld am Unfall, ja … irgendwie. Der Gemüsehändler, deren Ehefrau und Tochter beim Unfall starben, hegt einen entsetzlichen Groll. Fragt sich nur, warum so wichtig war, dass er auch noch „Pleite ist“. Fragt sich nur, warum die schwarzen Vögel durch Hirn, Garten und Acker geistern, gerade so, als hätten sie eine Bedeutung. Und damit das Kind, das bei, Unfall starb, in Erinnerung bleibt, wird ständig die Mutter gezeigt: Verzweifelt, und bis zum Ende auf einem Polizeiflur sitzend.

Das Drehbuch (Jochen Greve) muss aus einem Akt der Verzweiflung entstanden sein: schnell noch einen Tatort für die ARD. Hier eine schwarze Vogelfeder, dort ein Familiendrama, eine völlig absurde Hotelbuchung in London, ein Unfall, dessen wirkliche Ursache auch im Nachhinein im Dunkel bleibt, und eine eigenartige Gestalt, die plötzlich am Fenster auftaucht. Alles blieb nebulös, alles baute auf Effekten auf, nichts wurde zu Ende gedacht.
Der Film hatte natürlich ein Ende: Die Kommissare finden heraus, wer es war, und die bis dato verzweifelte Mutter ist zufrieden, zu wissen, wer es war und geht. Das ist alles. Zurück bleiben massenhaft traurige Gestalten: zwei Kommissare, ein farbloser Moderatoren-Vater, ein merkwürdig teilnahmsloser, inzwischen vermutlich arbeitsloser Rundfunkmoderator, eine schwangere neue Freundin, die fortgeschickt wird, und die Täterin, der noch effektheischend Handschellen angelegt werden.

So, wie der Film gestaltet wurde, wäre niemand auf das Motiv „Eifersucht“ gekommen. Es wurde gegen Ende einfach mal aus dem Hut gezaubert, und allein deshalb verlor das gesamte Machwerk am Ende jeden Sinn. Schade für jeden, der diesen Tatort bis zum Ende durchgehalten hat.
Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: 1 von 5, 1 Stimme(n) 1088 Klicks

Tatort: Sand im Hirn auf Langeoog

"Ruhig wie die Insel"? Eher Sand im Hirn auf Langeoog. Über die Wichtigkeit selbst gestrickter Pullover, langatmige Männerdialoge, den Seriencharakter des "Tatorts" und über die Frage: Warum ermitteltet da eigentlich diese "Christine Brandner"?

Der Stern findet in seiner Kritik den Wollpullover sehr wichtig und philosophiert über Männerfreundschaft und Teambildung. Wen so etwas interessiert, der guckt am Sonntag wohl kaum den „Tatort“.
Zitat:

Gerade das Verhalten des frischgebackenen Familienvaters zeigt, dass Katz jetzt Verantwortung für sein Kind übernimmt, während Falke der alte Draufgänger geblieben ist.


Ach ja, das wollten wir schon immer wissen, nicht wahr? Der STERN erwähnt denn auch gar nicht, was die Schauspielerin Nina Kunzendorf eigentlich im Tatort suchte – und wir anderen fragen es uns wenigstens. Frau Kunzendorf spielt eine friesische Kommissarin, Christine Brandner. Die Rolle ist so angelegt, als ob eine Schauspielerin, die eine evangelische Pastorin spielen will, plötzlich in die Rolle einer Kriminalkommissarin gerät. Diese „Christine Brandner“ wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper in diesem Krimi – und die viel gelobten Talente der Schauspielerin Kunzendorf kamen in der Rolle nur selten zum Vorschein. Die Story war müde, lahm und lustlos, mit viel angeblich friesischem Lokalkolorit, aber ohne wirklichen Humor. Da war die übliche Konzentration auf den Hauptverdächtigen, der es mal wieder nicht war, viel kurz angeleuchtete Verdächtige, die’s natürlich auch nicht waren, und eine Randfigur, die’s war. Irgendwie war’s wie so oft: Eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte, eingebettet in langweilige Dialoge.

Immerhin, so wollen Kritiker bemerkt haben, sei das neue Hamburger Team ein „gutes Team“ – und wir bemerken außerdem, dass „Tatorte“ zwar noch abgeschlossene Mordfälle beinhalten, aber ansonsten kaum noch aufgeschlossene Handlungen. Die Boulevardfrage: „Wie wird es weitergehen zwischen Kommissarin und Kommissar“ (alternativ: Zwischen Kommissarin/Kommissar und Lebenspartner) soll die Zuschauerschaft offenbar in Zukunft eher in Atem halten als die intelligente Aufklärung von Verbrechen. Langeoog scheint nicht der einzige (Tat) -Ort zu sein, in dem man Sand im Hirn hat.
Kategorien: ansehen | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: keine, 0 Stimme(n) 967 Klicks