Skip to content

Warum schreiben Erotik-Autorinnen für Frauen?

Lesen und Träumen


Warum schreiben Erotik-Autorinnen für Frauen? Und wie können vor allem Autorinnen die "Ansprache" an ihre weibliche Leserschaft verbessern? Eine mögliche Antwort: Frauen wollen sich "selbst spielen sehen" in den Szenen, die Sie als Autorin beschreiben. Hilfe kommt dabei von ungewöhnlicher Seite: ein Erotik-Dating-Portal will es wissen.

Unzweifelhaft ist das Interesse der Frauen an erotischer Literatur in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen – und mit diesem Interesse einher ging auch die Massenproduktion von „erotischer Frauenliteratur“.

WerbungSecret.de - Lebe Deine Phantasie
Dazu ist eine Erhebung des Online-Portals SECRET interessant, das sich speziell an Frauen und ihre erotischen Wünsche wendet.

Demnach steht in 63 Prozent der Frauenträume die eigene Person im Mittelpunkt. Das heißt, die Frau sieht sich stets in erster Line selbst als Begünstigte der erotischen Handlungen. Bei Männern sind es hingegen nur 48 Prozent.

Das bedeutet: Nur etwa 37 Prozent der Frauen abstrahieren beim erotischen Fantasieren von der eigenen Person. Ebenso interessant war auch, dass erstaunliche 50 Prozent der von SECRET befragten Frauen von einem dominanten Partner träumten.

Sicher sind solche Befragungen nicht in jeder Hinsicht repräsentativ, jedoch ist die Klienten des sogenannten „Casual-Dating“ Portals Secret ohnehin auf Sinnlichkeit und Erotik ausgerichtet, sodass die Ergebnisse durchaus für Autorinnen verwendbar sind.

Wenn die Ergebnisse zutreffen, woran wenig Zweifel bestehen, dann ist also männliche Dominanz weiterhin gefragt. Hinzu kommt aber, dass sich Ihre Leserinnen tatsächlich mit der Heldin und ihren wilderotischen Gefühlen mitreißen lassen. Bringen Sie ihre Heldin also plastisch in erotische Situationen und lassen Sie Ihre Leserinnen hautnah erleben, was Ihre Heldin fühlt. Ist es überflüssig, noch zu sagen, dass sie in der ersten Person schreiben sollten? Vermutlich nicht, denn viele Autorinnen schämen sich, als Icherzählerinnen aufzutreten. Überwinden Sie diese Schamgrenze – Ihre Heldin ist nur Ihre Heldin, und Sie sind die Autorin. Versuchen Sie, sich eine zweite Persönlichkeit auszumalen, und schlüpfen sie in die Rolle jener hocherotischen Frau – und bleiben Sie selbst, was Sie immer waren.

Bild: Angeblich von Tara de Lempicka, Polnische Malerin.

Thema Verführungen: Abgegrast oder noch interessant?

Verführerinnen und Verführer - wie Sie darüber schreiben können


Verführungen sind das Salz in der Suppe der erotischen Literatur, weil in ihnen ein natürlicher Spannungsbogen liegt, den die Autorin nur mit Leben füllen muss.

Eine erotische Verführung beruht auf zwei (selten mehr) Personen, denen unterschiedliche Rollen zugewiesen werden. Eine der Personen agiert als aktiver Verführer, der zumeist „alle Register“ zieht, um sein Ziel zu erreichen. Die andere Rolle fällt der zu verführenden Person zu. Sie befindet sich üblicherweise in dem Zwiespalt, sich mit einem Teil ihres Wesens zu verweigern, mit einem anderen, eher geheimen Teil ihrer Psyche aber durchaus bereit zu sein, sich dem Verführenden auszuliefern.

Das bedeutet: Zu Anfang Ihrer Geschichte besteht kein Konsens zwischen beiden, und das Ergebnis der Verführung ist offen. Je nachdem, wie Sie das Metier der Schreibkunst beherrschen, können sie nun den Zwiespalt farbig ausmalen. Dabei schildern Sie möglichst intensiv die „beiden Seelen in der Brust“ der Heldin abspielen, während die Stichworte durch die Aktivitäten des Verführers vorgegeben werden. Ich kann nur empfehlen, solche Geschichten sehr direkt aus der Sicht der Heldin, also der Verführten, zu erzählen.

Abgegrastes Thema Verführung?

Allerdings ist das Thema der Verführung inzwischen bis auf den Rasen abgegrast, sodass es großer Erzählkunst bedarf, um Leserinnen für „ganz gewöhnliche“ Verführungen zu begeistern. Wenn Sie es dennoch versuchen wollen, sollten Sie beide Stränge der Geschichte, also die Abwehr und die Bereitschaft, möglichst transparent schildern. Denken Sie daran, dass sich die Leserin gerne selber in der Rolle sieht, und je mehr sie sich beteiligt fühlt, umso besser.

Thematisieren: die Furcht vor den Folgen kontra Freude an der Lust

Will man der Verführung mehr Farbe verleihen, so kann man viele Wege gehen. Einer der Bekanntesten besteht darin, dass sich die Frau wohl gerne verführen ließe, aber sich nicht sicher ist, welche Folgen dies für sie haben könnte. In früheren Zeiten war es die gesellschaftliche Ächtung und die mögliche Schwängerung, während die heutigen Heldinnen eher die Reise in ein unübersehbares Abenteuer fürchten, wie beispielsweise SM-Aktvitäten.

Das doppelseitige Spiel: Sich verführen lassen

Eine sehr hübsche Variante für Frauen besteht darin, von vornherein zu wissen, dass sie verführt werden wollen, sie aber für den Verführer immer wieder Hindernisse aufbauen, um seine Bemühungen zu erschweren und weiter anzustacheln. Bei dieser Variante müssen Sie nicht so sehr auf die Gefühle achten, sondern können dem äußeren Geschehen breiten Raum geben – und dabei auch durchaus etwas Humor beweisen.

Situative Verführungen

Eine sehr moderne Variante der Verführung, die Sie sicher schon einmal in einmal in einem Film gesehen haben, ist die Verführung aus einer neutralen Situation heraus. Das Paar hat sich getroffene, um etwas zu diskutieren, und plötzlich beschließt einer von beiden, den anderen zu verführen, während dieser sich zu Anfang sträubt. Aus einem normalen sozialen Kontakt wird also eine Verführung. Geschichten dieser Art sind in der Regel sehr kompakt aufgebaut, sodass sie sich auch für Kurzgeschichten eignen. Je normaler der anfängliche Kontakt, umso erregender ist es für die Leserin, in den Strudel der Verführung hineingerissen zu werden. Falls Sie keine Scheu vor lesbischen Szenen haben, können Sie ihre Heldin situativ durchaus von einer Frau verführen lassen. Das klingt zwar merkwürdig, ist aber für Autorinnen höchst plausibel, weil sich Frauen in der Regel besser in die Gefühlswelt anderer Frauen hineindenken können als in die Gefühle der Männer.

Die Frau als Verführerin

Ich habe die Frau als Verführerin schon zwei Mal erwähnt: einmal, indem sie vorgibt, die Verführte zu sein, und einmal als gleichgeschlechtliche Verführerin. Selbstverständlich waren Frauen immer aktive Verführerinnen, aber erst in den letzten Jahren ist die einer breiten Öffentlichkeit bewusst geworden. Wenn Sie eine Frau schildern, die aktiv verführt, und wenn Sie aus der ICH-Position heraus schreiben, sollten Sie sich mit der Rolle intensiv auseinandersetzen. Eine Verführerin hat einen Grund, zu verführen, und sie benötigt Konsequenz, um dieses Ziel zu erreichen, das heißt, sie „spielt nicht ein bisschen Verführung“. In den letzten Jahren ist das Thema „Ältere Frau verführt deutlich jüngeren Mann“ populär geworden, das umso mehr verzückt, je unschuldiger sich der junge Mann der Verfügung unterwirft.

Zusammenfassung – Verführungen

Die/der Verführte

Die Person, die verführt wird, sollte mit beiden Gefühlssträngen, also dem ablehnenden und dem begierigen Zweig geschildert werden. In einem Roman lassen sich beide Zweige bereits zuvor ansatzweise skizzieren, die Kurzgeschichte lebt ausschließlich vom Moment des “inneren Konflikts“. Beides gilt im Wesentlichen nur dann, wenn der/die Verführte als Icherzähler auftritt oder der/die Verführte im Fokus steht.

Die/der Verführer(in)

Zweckmäßigerweise bleiben Verführer oder Verführerin Stichwortgeber, wenn die Geschichte aus der Sicht des/der Verführten erzählt wird. Handelt es sich jedoch um die Verführerin selbst, die als Icherzählerin fungiert oder die stark im Fokus steht, so muss die Heldin (der Held) genügend Konsequenz zeigen, um sein Ziel durchzusetzen. Aus meiner Sicht ist die schwieriger zu realisieren, vor allem für weibliche Autoren.

Gewalt in der erotischen Literatur: notwendig oder sinnlos?

Modern oder historisch - wie wirkt Gewalt in der Erotik?


Gestatten Sie mir bitte zunächst, dass ich den Begriff der „Gewalt“ ein wenig zurechtrücke – denn dieser Begriff ist im Deutschen wahrhaftig unter die Räder gekommen. Wir benutzen ihn in erster Linie, wenn wir von „brutaler Gewalt“ reden und er kommt in „Vergewaltigung“ vor. Beides macht ihn zum Unwort. Dabei spielt die Gewalt in der Liebe eine größere Rolle, als Sie denken. Denn in der Liebe geben wir die „Gewalt über uns“ ja ganz bewusst ab – wir wollen sie gar nicht mehr, sondern wir wollen uns der Lust oder dem Partner „hingeben“. Der Verlust der Gewalt über sich selbst im Lieberausch ist legendär, und ebenso die Übergabe der Gewalt an den Partner: „Du kannst alles mir mir machen, alles, was du willst“, ist eine der üblichen Formeln.

Gewalt ist nicht an ein Geschlecht gebunden

Gewalt im erotischen Roman ist nicht an das Geschlecht gebunden, es sei denn, durch die „Schere im Hirn“. Mit Recht verpönt ist brutale körperliche Gewalt, um den Beischlaf zu erzwingen, weil sie einen Straftatbestand erfüllt – sie kommt allerdings umso häufiger im Kriminalroman vor. Im erotischen Roman hingegen ist die Szenerie von zahllosen Konflikten durchzogen. Sie zeigt sich darin, wie viel Gewalt die Protagonisten ausüben oder erdulden wollen und wie viel davon zu erwarten war und wie viel nicht.

Keine "glatt gebügelte" Sprache verwenden - keine Schere im Kopf

Ganz generell sollten sich Autorinnen und Autoren erotischer Romane ohnehin nicht an der „glattgebügelten“ Sprache der „sozialen Korrektheit“ orientieren. In der modernen Weichspül-Sprache sind Frauen beispielsweise immer „Opfer“, und sie tragen nichts dazu bei, in die jeweilige Situation zu kommen. Anders im erotischen Roman: Hier beginnt die Situation, die später eskalieren wird, nicht selten mit einer Provokation. Die Heldin will beweisen, wie sinnlich, begehrenswert, mutig, lustvoll oder gar leidensbereit ist. (Erinnern Sie sich bitte daran, dass «Die Geschichte der „O“») allein aus diesem Grund geschrieben wurde). Besonders deutlich wird dies im Roman „Lulu“ von Almudena Grandes, in dem die Heldin ihren Partner sogar damit reizt, dass sie vor seinen Augen einen Vibrator benutzt und darüber klagt, dass dieser keine „schnellen Stöße“ produzieren könne. Dann aber wird sie von seinen Wünschen überfordert und windet sich beim darauf folgenden Analverkehr unter Schmerzen.

Die Szenen werden also häufig so aufgebaut:

1. Die Frau provoziert, und hofft damit Lüste auszulösen.
2. Die Provokation gelingt, aber der Partner will etwas anderes, als sie sich gedacht hat.
3. Sie leidet unter dem, was er fordert, und fühlt sich am Ende ratlos, missbraucht oder auf merkwürdige Art zwiespältig.
4. Oftmals wandelt sich die Demütigung in ein lustvolles Schwelgen oder in plötzlich wieder einsetzende Lust.

Ist es eine heterosexuelle Szene, so bauen Sie die Szene mit Rücksicht auf Ihre empfindsamen Leserinnen besser so auf, dass die Heldin nicht absehen konnte, was mit ihr geschehen würde. Diese Regel gilt nicht in gleichem Maße für die lesbisch orientierte Beziehung, weil sich in ihr manche Frau auch mit der gewaltbereiten Verführerin identifizieren könnte.

Im Beispiel (nochmals Lulu“) sagt die Heldin, nachdem sie die Gewalt ertragen hatte und bei einer anderen Form des Geschlechtsverkehrs wieder Lust empfand:

«Die Erinnerung an die Gewalt verlieh meiner Lust eine unwiderstehliche Nuance, die mich überwältigte und ein furioses Ende auslöste.“


Gewalt, die von Frauen ausgeht

Während es relativ einfach ist, Männer als gewaltbereite Verführer darzustellen, sei es in heterosexuellen oder homosexuellen Beziehungen, so ist es meist schwieriger, die Gewaltbereitschaft von Frauen zu schildern. Dennoch wird es gelegentlich erfolgreich getan, wie beispielsweise in „Fuchsia“, bei der die dämonische Verführerin keinerlei Rücksicht auf die Verletzlichkeit ihres Opfer nimmt, sondern sie in abstoßend-faszinierender Weise erniedrigt. Dabei wird ohne jegliche Rücksicht das ansonsten unter Frauen bekämpfte Rezept: „Nimm sie dir – sie will es doch auch“ durchgesetzt.

Auch die Erniedrigung von Männern durch Frauen ist ein häufiges Thema, das am besten in Gigi Martins Erzählung „Die Herrin“ zum Ausdruck kommt. Hier ist das Opfer ein Mann, der von der eher zufällig zur „Herrin“ gewordenen Heldin auf bestialische Weise gequält wird, weil er ihr „hörig“ geworden ist. Interessant ist dabei allerdings –wie auch in fast allen anderen Werken dieser Art – dass zwischen den beiden Hauptpersonen keine Liebesaffäre, ja nicht einmal eine wirklich tiefe erotische Beziehung aufgebaut wird.

Über den Wert der Psychologie und Psychiatrie in erotischen Romanen

Viele Autorinnen fühlen sich veranlasst, nach einem Grund für die Handlungsweise der gewalttätigen oder unterwürfigen Helden zu suchen. Interessanterweise wird beim männlichen Opfer sogar Verständnis für die Unterwürfigkeit geweckt – bei Gigi Martin ebenso wie bei E.L. James. Dabei bemüht man sich, sich an der Psychologie von Sigmund Freud und an der Psychiatrie von Krafft-Ebing zu orientieren, die in Kombination Folgendes sagt:

Wer als Jugendlicher in sexuellem Zusammenhang geschlagen oder gedemütigt wurde, wird als Erwachsener versuchen, dies entweder aktiv oder passiv zu wiederholen. Er wird also Sadist, Masochist oder Sadomasochist.


Ob diese Theorien nun richtig sind oder nicht – das Volk hat sie verinnerlicht und glaubt an den „späten Fluch der bösen Tat“. Als Autor/Autorin können Sie deshalb aus der Jugenderinnerung entweder ein „ach, der arme Junge“, oder ein „blödes Schwein, er soll an seiner Neigung ersticken“ machen. Ich weise jedoch darauf hin, wie unsinnig es ist, in der erotischen Literatur auf psychologischen Theorien aufzubauen. Entscheidend sind die Gefühle der Handelnden – nicht der psychologische Hintergrund.

Kommen wir noch einmal zurück zur Gewalt. Sie ist, ich sagte es zu Anfang, nicht das, was die Leserinnen und Leser oberflächlich wahrnehmen. Wer sich hingibt, gleich, in welchem Zustand und unter welchen Umständen, lässt zu, dass ein Anderer „Gewalt über sie/ihn“ gewinnt. Wer aktiv verführt, übt immer auch Gewalt aus. Die einzige Frage, die Sie sich als Schriftsteller nun stellen sollten, ist die, wie sie damit umgehen. Dies ist sicherlich eine Herausforderung, die Sie nur dann meistern können, wenn sie sich ganz sicher sind, Gefühle „aus dem Innersten“ heraus zu schildern. Nehmen wir einmal an, das gelänge Ihnen nicht, so wären sie auf Klischees angewiesen, die Sie aus der Psychologie übernehmen können.

Konnte ich Ihnen damit helfen? Dann sagen Sie es Anderen. Wenn nicht, dann sagen Sie es mir.

Bild (leicht koloriert und retuschiert) nach einer Zeichnung von Topfer.

Mein neuer Service: Ihre Liebesgeschichte mit Erotik würzen

Mein neuer Service: Ich würze Ihre Liebesgeschichte mit Erotik-Inhalten - in Ihrem eigenen Stil.

Sie schreiben hübsche Liebesgeschichten? Aber Sie wissen nicht so genau, wie Sie erotische Szenen schreiben könnten?

Dann sind Sie bei mir bestens aufgehoben – mein Team schreibt sie. In Ihrem bereits bekannten Stil – kurz oder lang, heftig oder dezent.

Ich biete Ihnen 200 Wörter gratis als Probe. Ich benötige dazu etwa 1000 Wörter einer Liebesgeschichte, die Sie schon geschrieben haben. Außerdem eine ungefähre Vorstellung, was im Groben geschehen soll und wie, wo und wann sich die Erotik entfalten soll.

Wenn Sie zufrieden sind, geben sie mir einfach den Rest in Auftrag. Über den Preis werden wir uns schon einigen. Er liegt im oberen Bereich der Preise für Online-Content und ist etwas abhängig von dem Aufwand, sich an Ihren Schreibstil anzupassen.

Kontakt
Telefon: 0049 (0) 16093095395
Email: .


Kategorien: schreib-tipps | 0 Kommentare
Tags für diesen Artikel:
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: 2.43 von 5, 23 Stimme(n) 1025 Klicks

Ich spürte, wie sie mich spürte …

Heute möchte ich Sie auf das kleine Wort „spüren“ aufmerksam machen. Es bezeichnet die Fähigkeit vieler Lebewesen, aufgrund ihrer Nervenenden etwas wahrzunehmen, was für sie im Moment nicht auf andere Weise erkennbar ist. Es ist verwandt mit dem Wort „fühlen“ und wird ähnlich benutzt.

In einem anderen Zusammenhang wird das Wort auch im Sinne von „aufspüren“ benutzt. Empfindungen der Psyche kann man nicht sofort „spüren“, sondern es ist nötig, ihrer Spur zufolgen, sie also zu erspüren oder ihrer Spur nachzugehen. Schiller hat es in der Glocke auf den Punkt gebracht:

Das ists ja, was den menschen zieret,
und dazu ward ihm der verstand,
dasz er im innern herzen spüret,
was er erschafft mit seiner hand.

(Rechtschreibung wie im "Grimm" zitiert)

Spürt jemand etwas körperlich, so ist anzunehmen, dass er dies nicht erwartet hat – sonst würde er nicht behaupten, es zu spüren. Erotik-Autorinnen und Autoren begehen häufig den Fehler, alles, was sich fühlen lässt, mit „fühlen“ einzuleiten, und alles, was sich spüren lässt, mit „spüren“. Doch „spüren“ sollte auf die Momente reduziert werden, in denen keine andere Wahrnehmung möglich ist.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel, das gleich mehrere unsinnige Formulierungen enthält:

Ihre Hand wanderte an den Knöpfen meines Oberhemds herunter herunter und öffneten mir die Hose. Ich spürte ihre Hand, die meinen Penis mit feuchten Händen umfasste.


Wie immer in meinen Beispielen habe ich das Original-Zitat, das tatsächlich so geschrieben wurde, leicht abgewandelt.

Der Autor führt sich selbst in die Irre, indem er die Hand von der Person abkoppelt, die dann irgendwelche „Dinge tut“. Denken Sie bitte stets daran: Eine Hand wandert nicht von selbst. Zwar kann man das Stilmittel „selbstständiger Körperteile“ gelegentlich einsetzen, hier wirkt es aber völlig deplatziert. Nachdem der Autor einen falschen Ansatz verfolgt, ist muss er zwangsläufig weitere Fehler machen: Eine wandernde Hand öffnet keine Hose. Dazu sind Finger nötig, und eine Hose zu öffnen, ist ein vergleichsweise komplizierter, sehr intimer Prozess, den der Autor in seiner Ausdrucksweise nicht nicht einmal im Ansatz bildhaft beschreiben kann. Hier ist alles „Hose wie Dose“. Auch ein drittes Mal greift der Autor daneben, diesmal etwas peinlicher. Weil er sich zu lange an der „selbst bewegten“ Hand festgehalten hat, fällt ihm gar nicht, auf dass plötzlich beide Hände am Penis liegen, nachdem er „ihre Hand spürte“. Was hatte er eigentlich vorher wahrgenommen?

Ich habe im Internet einige Textstellen gesammelt, ihren Ursprung unkenntlich gemacht und präsentiere Ihnen hier die Stilblüten:

Ich spürte …
… ihre Zunge.
… Ihren Schweiß.
… ihren Atem.
… ihren Körper.
… sie an meinem Körper.
… ihre Brust an meinem Körper.
… ihr Herz schlagen.
… ihr Blut pochen.
… ihre Lusthöhle.
… ihre nackte Haut.
… ihre spitzen Fingernägel.

Jedes dieser Zitate ist einer Textstellen entnommen, in der sich die Person mit dem Erzähler in direktem Kontakt befand. Er war also nicht auf das passive „Erfühlen“ angewiesen. Sie hätte ihre Zunge zwischen seine Lippen zwängen können. Ihr Schweiß hätte Perlen bilden können, ihr Atem hätte seine Haut streifen können … bis hin zu den spitzen Fingernägeln, die sie schmerzhaft in seine Haut drückt.

Also: Setzen Sie das körperliche „Spüren“ nur dann ein, wenn der Umstand, etwas zu „spüren“, Ihren Helden überrascht.

Ganz anders verhält es sich mit dem emotionalen Spüren. Damit ist ein eher „unbestimmtes“ Gefühl gemeint, das nach einer Beschreibung verlangt, etwa, wenn die Heldin plötzlich Angst verspürt, sei seine Verachtung verspürt oder wenn sich ein Gefühl der Liebe oder der Lust, das lange verschüttet war, wieder bemerkbar macht.

Haben Sie weiterhin Lust, mir zu folgen? Ich bitte darum.

Später ergänzt: Ich wurde gestern darauf angesprochen, wie man den Abschnitt verbessern könnte. bitte schön:

Sie ließ ihre Hand über die Knopfleiste meines Oberhemds wandern. Am Hosenbund hielt sie inne, um dann mit geübten Fingern meinen Hosengürtel zu öffnen und den Reißverschluss herunterzuziehen. Sie griff ohne zu zögern unter meine Boxershorts, um meinen Penis mit ihren warmen und feuchten Händen zu umfassen.


Also bitte - es geht ohne das Wort "spüren".

Frau und Mann - wie beschreibt man die Gefühle?

Gefühle lassen sich oft schwer beschreiben ...

Die Kultur des 21. Jahrhunderts ist von pseudo-wissenschaftlichen Werken über Frauen und Männer ähnlich stark durchseucht wie in den vergangenen Jahrhunderten. Leider oder dankenswerterweise, wie man es nimmt, ist das ganze kulturelle Elend der Soziologie und Psychologie aber heute „online“. Wer nach „der Frau aus der Sicht des Mannes in der Literatur“ sucht (oder umgekehrt) erkennt bald den Schrecken der neuen Zeit: Das Internet ist der Platz, an dem die Wissenschaft ihren Müll ablädt. Draus bedienen sich die Hyänen und Geier, die populärwissenschaftliche Literatur am Fließband produzieren.

Gefühle "als solche" sind geschlechtslos

Die Schriftstellerin oder der Schriftsteller haben in der Regel andere Sorgen: Wenn sie ihre Charaktere in „Nahaufnahme“ zeigen wollen, müssen sie tief in ihr Gefühlsleben absteigen, und das lässt sich nicht einfach in die üblichen Schuhkartons der Wissenschaftler einordnen. Ja, wenn wir unsere Empfindungen wirklich ernst nehmen, können wir sie nicht einmal in „männlich“ und „weiblich“ aufteilen. Gefühle an sich haben kein Geschlecht. In der Liebe, bei der Lust und der Sexualität wirken sie sich unsere Gefühle möglicherweise anders aus – und diese Auswirkungen lassen sich dann beschreiben.

Ich sage Ihnen dies heute vor allem, um Sie selbst anzuregen, nicht mit Klischees zu arbeiten. Dazu gebe ich Ihnen eine Hilfe.

Wie entstehen Gefühle - und wie kann man sie beschreiben?

Gefühle aller Art sind zunächst biologisch bedingte Prozesse, bevor wir sie überhaupt als „Gefühle“ wahrnehmen, also als ungewöhnliche Veränderungen unseres Gemüts. Das gewöhnliche Repertoire der Säugetiere, Primaten und Menschen ist darauf vorbereitet, den Körper zu steuern und zum „Sprechen“ zu bringen.

Ungewöhnlich und bisweilen höchst merkwürdig, dazu noch weitgehend unerforscht, ist der Prozess der sogenannten Analog-digital-Wandlung im menschlichen Gehirn, der uns in die Lage versetzt, Gefühle in Sprache zu äußern und über Sprachmittel zu empfangen. Dem liebenden Mann oder der geliebten Frau mag es noch die Sprache verschlagen, wenn es beiden darum geht, einander die Liebe zu erklären. Aber den Schriftstellerinnen und Schriftstellern sollte möglich sein, sich in eben dieser Sprache bildhaft auszudrücken.

Was ist nun so schwierig, und was hat dies mit den Geschlechtern zu tun?

Die Gefühlspyramide und wie Sie bis zum Wort kommen

Versuchen wir einmal, eine Pyramide der Gefühle auszubauen, dann wird deutlich, wo die Schwierigkeiten liegen:

1. Die Gefühle, die Menschen haben, folgen biologisch bedingten Mustern.
2. Diese Muster werden aber von anderen Einflüssen wie Erziehung und Kultur durchwebt.
3. Ein Teil dieser Muster ist kollektiv vorhanden, ein Teil aber nur individuell.
4. Die Literatur spricht nicht die Muster an, sondern versucht, individuelle Gefühle zu beschreiben.
5. Gefühle stehen immer analog, sie bilden also stufenlose, fließende Kurven.
6. Das analog erkennbare Gefühl öffnet sich nur dem Betrachter, beispielsweise in der Körpersprache.
7. Der Schriftsteller sollte in der Lage sein, Gefühle zu beschreiben – um sie auf universelle Art vermittelbar zu machen.
8. Die Heldinnen und Helden versuchen es üblicherweise auch. Hier beginnt das Metier, in dem der Schriftsteller gefordert ist, denn aus der Kommunikation heraus entstehen lebendige Geschichten.
9. Aus der verbalen Kommunikation, gleich, wie bruchstückhaft sie ist, können Rückschlüsse auf die Befindlichkeit geschlossen werden. In der Technik heißt dies „Blackbox-Prinzip“.
10. Als Schriftsteller(in) können Sie also die Gefühle (beispielsweise eines Liebespaars) durch Dialoge darstellen. Verbinden Sie diese dann noch mit Gedanken, so entstehen Bilder, die von üblichen Geschlechterklischees abweichen.
Natürlich haben wir nun noch noch nicht die Frage geklärt, ob Sie als Frau tief in die Seele eines Mannes hineintauchen können und als Mann tief in die Seele einer Frau.

Gefühle beschreiben, niemals Klischees verwenden

Bevor Sie sich die Frage stellen: Wie tief können Sie eigentlich in die Seele anderer Frauen abtauchen, wenn Sie eine Frau sind, und zwar außerhalb von Klischees? Ein Klischee wäre beispielsweise: „Wir Frauen verstehen einander ohne Worte“ oder „Ich fühle genau so wie du“. Wenn Sie Autorin werden wollen, sollten Sie diese Klischees schleunigst aufbrechen. Für Männer gilt dies spiegelverkehrt auch, nur mit dem kleinen Unterschied, dass Männer zumeist hassen, sich den Gefühlen anderer Männer zu öffnen. Falls Sie Autor werden und glaubwürdig Geschichten über die Liebe schreiben wollen, sollten Sie auch diese Kluft überwinden.

Die dampfende Tasse Tee – ein Klischee

Ob Kaffee oder Tee - es ist nicht die "dampfende Tasse", sondern der Duft, der ihr entströmt


Heute will ich Ihnen an einem sehr einfachen Beispiel verdeutlichen, was ein Klischee für Autorinnen und Autoren bedeutet. Das Beispiel, das ich gewählt habe, ist so populär, dass es sogar Übersetzungsvorschläge ins Englische gibt.

Es ist, wie Sie anhand meines Titels unschwer ermitteln können, die dampfende Tasse Tee. Sie findet in manche gefühlsbetonte Erzählungen Eingang, und Sie können fast sicher sein, dass sie dort nicht hinpasst, wo sie vor sich hin dampft.

Zunächst die Logik - "dampfende Tassen"

Lassen Sie mich zunächst einmal logisch vorgehen, obwohl dies schreibende Damen in der Regel nervt. Tassen dampfen nicht, weil sie aus Materialen hergestellt sind, die ihren Aggregatzustand normalerweise nicht verändern. Nun könnte man einwenden, bei einem süffigen Glas Bier sei ja auch nicht das Glas süffig, sondern das Bier. Der Streit ist alt: Ist eine "Tasse Tee" eine Tasse, in der sich Tee befindet? Oder ist eine Tasse Tee ein Maß für den Tee, so, wie man im Restaurant „eine Tasse“ Kaffee oder Tee bestellt? Hier gibt es spitzfindige Definitionen: Zwei Glas Bier oder zwei Gläser Bier? Bei Tassen finden wir den Begriff des Maßes nicht: „Hatten Sie zwei Tasse Tee?“ Aber nein, ich hatten zwei Tassen Tee.“

Ich hoffe, Sie haben nach diesen Ausführungen noch alle Tassen im Schrank. Sehen wir uns lieber mal an, wann der Tee dampft, den ohne Zweifel könnte der Tee in den Tassen dampfen. Dann hat Eva keine „Tasse dampfenden Tee vor sich“, sondern „der Tee in Evas Tasse dampfte noch und sandte heimelige Gerüche aus.“ Das klingt solange sinnreich, wie der Tee und sein Duft in der Geschichte eine Rolle spielen, und – soweit der Tee wirklich dampft.

Dampft Tee überhaupt?

Nun dampft aber ein Heißgetränk in einem zentralbeheizten Büro oder im Boudoir einer Dame, wenn überhaupt, nur für kurze Zeit und kaum sichtbar. Anders verhält es sich möglicherweise auf einer ungeheizten Hütte im Winter, in der das junge Paar Unterschlupf findet. Hier kondensiert der Wasserdampf sich zu winzigen Töpfchen, die wir als „Dampf“ auf dem Tee entdecken können. In dieser Situation kann der Autor der Geschichte den Dampf wirklich zum Leben erwecken.

Die „dampfende Tasse Tee“ ist also ein Klischee, das sich hundertfach „abziehen“ lässt, eine Sprachschablone ohne Inhalt. Sei wird verwendet, um insbesondere romantischen Liegegeschichten den Anschein von sinnlichen Gefühlen zu geben.

Keine dampfenden Tassen, sondern die Gefühle, die der Dampf auslöst

Wenn Sie den Tee in eine Geschichte einführen, beschreiben Sie stattdessen den Duft, den er aussendet, den Geschmack, den Sie auf der Zunge behalten und das wohlige Gefühl der Wärme, das er in Ihrem Körper entfaltet.

Bild: Henri Meunier, Poster, 1897

Sieben gute Ratschläge für ängstliche Erotik-Autorinnen

Sieben wertvolle Ratschläge für Ihre erste erotische Geschichte

Die Lust auf Sex wohnt in jedem Hirn, jedem Herzen und jedem Bauch – was läge da näher, als auch über die Lust zu schreiben?

Na schön – ich gestehe Ihnen zu, dass es nicht schön ist, von einer CDU-Frau als Pornografin beschimpft zu werden, wie es mit einer bekannten Erfolgsautorin geschah. Aber Sie müssen damit rechnend, dass ihr Entschluss, über Erotik zu schreiben, Kontroversen auslöst.

Diese wichtigen Autoren-Ratschläge können ihnen Helfen, über Zweifel und Selbstzweifel hinwegzukommen.

1. Respektieren Sie sich und ihre Gefühle
Respektieren Sie sich selbst mit ihrer Sprache und Ihrer Sichtweise, aber gehen sie den Schritt darüber hinaus, der die Fantasie zum Funkeln bringt. Lust entsteht in erster Linie im Kopf – zwischen den Beinen fühlt sie der Leser (und die Leserin!) erst wenn der Kopf längst glüht.

2. Versuchen Sie, Genitalien auszusparen
Wenn Sie keine Meisterin / kein Meister des Genres sind, versuchen Sie, Geschlechtsorgane möglichst selten zu benennen. Bevor sich der Penis hebt und die Vagina befeuchtet, entwickeln sich Gefühle, die Sie beschreiben sollten.

3. Möglichst wenig Klischees
Sie haben kitschige Szenen in romantischen Frauenromanen gelesen, und neuerdings mit Sicherheit auch in erotischen Frauenromanen. Häufig wird Klischee an Klischee gereiht, wie etwa „weiche Knie“ oder „Schmetterlinge im Bauch“. Lassen Sie sich bitte etwas einfallen, dass es in ihrer Sprache schon gab, bevor sie Kitschromane lassen.

4. Sexszenen nicht aneinanderreihen wie Perlen
Versuchen Sie gar nicht erst, eine Sexszene nach der anderen wie bei einer Kette aufzufädeln. Lassen Sie Ihren Heldinnen und Helden Zeit zum Sehnen, Fühlen und Nachdenken - und sich selbst auch.

5. Alle fünf Sinne ansprechen
Wie ich schon vielfach schrieb, werden sinnliche Genüsse mit mehr als einem Sinn erfasst. Wonach riecht das Schlafzimmer der Dame? Welche Geräusche hinterlassen ihre Schritte? Was sehen Sie in ihren Pupillen? Wie schmecken ihre Lippen? Was spüren Sie, wenn sie ihre Haut berühren? Damit bringen Sie die Geschichte „hautnah“ an ihre Leserinnen und Leser.

6. Verführen Sie mit Worten, nicht mit dem Körper
Die Verführung in erotischen Geschichten verfängt durch Worte, nicht durch Taten. Es kommt nicht darauf an, dass die Hand des Helden unter den Rock der Heldin kriecht, sondern wie das geschieht.

7. Wechseln Sie zwischen distanzierter und unmittelbarer Ansprache
In weichen, sinnlichen Szenen versuchen Sie, Ihrem Leser oder Ihrer Leserin „unter die Haut“ zu kriechen. Versachlichen Sie ihre Sprache aber, sobald etwas Ungewöhnliches, Befremdliches gefordert wird – das würde Sie ja in jeder anderen Erzählung auch tun.

Ich hoffe, Sie konnten ein paar Tipps brauchen, um Ihre Erzählung zu beginnen.

AIDA – das Geheimnis für bessere Kurzgeschichten

Nein, es ist nicht die Oper, die sich als Stoff für eine Kurzgeschichte eignet, es ist eine Formel, die sich hervorragend für den Aufbau von Kurzgeschichten eignet. Warum Autoren sie zumeist nicht kennen? Weil sie nichts aus ihrem Metier stammt.

Eine einfache Anleitung für den Aufbau Ihrer Kurzgeschichte
AIDA wurde an sich entwickelt, um angehenden Verkäufern das Leben zu erleichtern. Und das soll bei angehenden Autoren auch funktionieren? Ja sicher. Wo liegt denn der Unterschied zwischen einem verführerisch inszenierten Verkauf und einer verkäuferisch inszenierten Verführung? Formal läuft beides nach gleichen Regeln ab – und wir können getrost „formal“ denken, denn wir beschäftigen uns ja gerade mit der Form unserer Geschichte.

AIDA ist ein Akronym, wie man unschwer erkennt, das eingedeutscht aus vier Teilen besteht:

A – Aufmerksamkeit
I – Interesse
D – Drang
A – Abschluss.


Das geht so: Nachdem Sie die Aufmerksamkeit des Lesers mit ihrer meist ultrakurzen Einführung gewonnen haben, schüren sie nun sein Interesse an der Situation, in der sich ihr(e) Protagonist(in) befindet. Dann bauen Sie eine Spannung auf, aus der heraus ein lüsterner Drang entsteht. Haben sie den erreicht, folgt ein furioser Abschluss.

Sehen Sie, wie einfach das ist?

Vielen von Ihnen, besonders jenen, die Schreibschulen besucht haben, wird das Modell abenteuerlich vorkommen. Doch wenn Sie es mit den Modellen vergleichen, die Sie dort erlernt haben, werden sie feststellen: Dieses einzigartige Modell ist einfacher und führt schneller zum Erfolg. Beantworten Sie sich selbst diese Frage:

Warum soll ich einen halben Tag darauf verwenden, ein Konzept zu entwickeln, wenn ich meine Geschichte in einem halben Tag komplett zu Ende schreiben kann?


Meine Meinung: Es ist merkwürdig, dass sie etwas komplizierter angehen sollen, damit es für Sie einfacher wird.

Erotische Geschichten schreiben

Jetzt neu: Erotisches Schreiben - analysiert
Erotische Geschichten schreiben

Als ich zum ersten Mal gefragt wurde, wie ein literarischer Anfänger an erotische Literatur herangehen solle, war ich überfragt. Doch dann analysierte ich jene Werke, die als literarisch ergiebig und dennoch als äußerst erotisch galten.

Dabei stellte ich mehrere grundlegende Unterschiede fest, die zwischen einem Menschen liegen, der seine Schreibkunst in der Schule erlernt und nie vertieft hat und einem modernen Schriftsteller. Obgleich die erotische Schriftstellerei als außerordentlich schwierig eingestuft wird, ist es nicht die Erotik selbst, die den Autorinnen und Autoren zu schaffen macht. Vielmehr ist es die Art, in der sie schreiben. „Die Lokomotive muss die nachfolgenden Waggons ziehen“, sagt der berühme Roy Peter Clark in seinen „50 Werkzeugen für gutes Schreiben“. Damit meint er den ersten, prägnanten Satz, mit dem die Geschichte eingeleitet werden sollte. Ein Satz, der zum Weiterlesen einlädt.

Ich suche im Internet für Sie nach Rat - und finde kaum Ansätze

Das ist nur ein Beispiel, sicherlich. Aber es symbolisiert das Dilemma der Menschen, die gerne schreiben würden. Denn die meisten von uns haben gelernt, eine Geschichte, gleich, wie lang sie ist, mit einer Einleitung zu beginnen. Eine Regel sagt, sie solle fünf Prozent betragen. Doch hat diese Regel irgendeine Bedeutung für Sie?

Ich informiere mich im Internet und lese (1):

In einem Aufsatz dient die Einleitung der Themavorstellung. Sie gewährt zudem dem Leser einen kurzen Überblick über das Geschehen im Text, da in der Einleitung die wichtigsten Informationen in knapper Form enthalten sein müssen.


Nun halten die meisten Neu-Autoren, die nach 10, 20, oder gar 40 Jahren erstmals wieder schreiben wollen, den Aufsatz für eine geeignete Form des Schreibens – weit gefehlt! Ich will nun wissen, wie die Internet-Lehrer über andere Formen der Einleitung denken, und lese diesmal (2):

Jeder Text benötigt eine, nach Stil und Genre passende, Einleitung. Sie dient dazu, die Neugierde des Lesers zu wecken und ihn dazu zu animieren, weiter zu lesen. Eine gute Einleitung gibt daher gerade so viele Informationen aus dem folgenden Text preis, dass der Leser erfährt, worum es in dem Text insgesamt geht.


So kommen wir der Sache schon näher, sind aber noch nicht am Ziel. Kann uns das Internet überhaupt „besseres Schreiben“ lehren? Und dazu noch etwas über ein so heikles Thema wie „erotische Literatur?

Meine Recherchen erbrachten nur dürftige Ergebnisse. Ich bin deshalb aus dem Internet verschwunden, um in meinem Bücherschrank wieder aufzutauchen. Wie schreiben eigentlich all diese Autoren, die so viel Sinnlichkeit verbreiten? I

Im Grunde ist es gar nicht geheimnisvoll, was sie tun, und wenn ich es mit einem Satz sagen sollte, so wäre er "sie rücken Ihnen dicht auf die Pelle“. Mit anderen Worten: Ein gutes erotisches Werk geht Ihnen unter die Haut. Und das bedeutet: Wenn Sie erotisch schreiben wollen, dann müssen Sie sich ganz nah an die Haut herankuscheln. Der Weg vom Bildschirm über die Augen ins Hirn muss kurz sein, und die Wörter und Sätze müssen im Hirn unmittelbar Gefühle wachrufen, die Sie, die Autorin/der Autor, mit ihrer Leserschaft teilen können. Wie Sie das anstellen? Ich schlage Ihnen drei Punkte vor, die Sie unbedingt beachten sollten.

Drei wesentliche Tipps für Erotik-Autoren

1. Wählen Sie die Form der Short Story. Wenn sie eine längere Geschichte schreiben wollen, hängen Sie Kapitel um Kapitel an die erste Geschichte an. Versuchen Sie, jede der Geschichten für sich selbst sprechen zu lassen. Bei einer Short Story schreiben Sie gar keine Einleitung. Mit dem ersten Satz gehen sie mitten in die Geschichte hinein.
2. Konzentrieren Sie sich auf die Handlung. Versuchen sie, möglichst wenig äußere Umstände zu beschreiben, sondern verdichten Sie die Handlung, bis sie zum Höhepunkt gelangt. Wenn Sie längere Geschichten schreiben wollen, bauen Sie sich kleine Inseln, die jeweils einen Höhepunkt bilden, und steigern sie sich von Insel zu Insel.
3. Versuchen Sie, die Gefühle Ihrer Protagonisten so zu verdeutlichen, dass möglichst viele Leserinnen/Leser sich darin wiederfinden. Gefühle sind die Soße, die nahezu alle Leser begierig aus den Seiten erotischer Bücher lecken.

Fassen wir dies noch einmal kürzer zusammen?

- Einen Satz zur Einleitung wählen, der in den Kopf kriecht.
- Handlungsstrang eng zusammenhalten – und erotisch färben.
- Nachvollziehbare, lustvolle Gefühle schildern.

Ich hoffe, dass wir uns häufiger lesen. In meiner „Liebeszeitung“ lesen Sie zu diesen Themen viel Angedachtes – dort gehe ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen nicht so systematisch vor. Aber wenn Sie wollen – dann schreibe ich für Sie hier auch durchaus seriös, wie Sie zu besseren Ideen, besseren Schreibformen und sinnlicheren Sätzen kommen.


Zitate: (1) Schreiben-Aufsatz.
Zitate: (2) Schreiben-Anleiter.