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Gebhard Roese und Wortwechsler

Wortwechsler - 2015
Meine Idee, die Webseite "Wortwechsler" zu schaffen, ist schon fast 10 Jahre alt. Zu dieser Zeit war ich bereits intensiv damit beschäftigt, Worte zu wechseln. Mein Job bestand damals darin, zwischen Kaufleuten und Programmierern zu vermitteln. Eine schwierige Aufgabe, weil ihre Auffassungen von dem, was denkbar, logisch und sinnreich ist, sehr voneinander abwichen. Meine erste schriftstellerische Tätigkeit ergab sich aus der Not: Es gab eine „technische Dokumentation“ eines wichtigen Softwareherstellers, die als Schulungsunterlage nicht zu gebrauchen war. Also setzte ich mich an den PC und schrieb eine umfangreiche Übersetzung vom Computerchinesischen ins Deutsche.

Damals entdeckte ich das Talent, nahezu alle Texte in fast jede beliebige Form umzuschreiben. Zudem hatte ich schon immer die Fähigkeit, einen einzigen Umstand in nahezu beliebig viele Lichter zu tauchen, sodass ich facettenreich, ja sogar kontrovers darüber schreiben konnte.

War ich nicht der geborene Wortwechsler? Ja, und dies ohne „aber“. Und nicht nur das: Ich bin es bis heute. Und deshalb habe ich dem „Wortwechsler“ wieder den Stellenwert gegeben, der ihm gebührt: Worte zu wechseln ist mein Markenzeichen – und ich wechsle sie auch für Sie.

Mein Name ist Gebhard Roese – und ich bin Ihr Wortwechsler.

Erotisch schreiben: der Penis, der Samenerguss und der Orgasmus des Mannes

Dieser Artikel ist umgezogen: die Existenz von Sperma gehört zu erotischen Literatur, kommt aber dort kaum vor.

Gewalt in der erotischen Literatur: notwendig oder sinnlos?

Modern oder historisch - wie wirkt Gewalt in der Erotik?


Gestatten Sie mir bitte zunächst, dass ich den Begriff der „Gewalt“ ein wenig zurechtrücke – denn dieser Begriff ist im Deutschen wahrhaftig unter die Räder gekommen. Wir benutzen ihn in erster Linie, wenn wir von „brutaler Gewalt“ reden und er kommt in „Vergewaltigung“ vor. Beides macht ihn zum Unwort. Dabei spielt die Gewalt in der Liebe eine größere Rolle, als Sie denken. Denn in der Liebe geben wir die „Gewalt über uns“ ja ganz bewusst ab – wir wollen sie gar nicht mehr, sondern wir wollen uns der Lust oder dem Partner „hingeben“. Der Verlust der Gewalt über sich selbst im Lieberausch ist legendär, und ebenso die Übergabe der Gewalt an den Partner: „Du kannst alles mir mir machen, alles, was du willst“, ist eine der üblichen Formeln.

Gewalt ist nicht an ein Geschlecht gebunden

Gewalt im erotischen Roman ist nicht an das Geschlecht gebunden, es sei denn, durch die „Schere im Hirn“. Mit Recht verpönt ist brutale körperliche Gewalt, um den Beischlaf zu erzwingen, weil sie einen Straftatbestand erfüllt – sie kommt allerdings umso häufiger im Kriminalroman vor. Im erotischen Roman hingegen ist die Szenerie von zahllosen Konflikten durchzogen. Sie zeigt sich darin, wie viel Gewalt die Protagonisten ausüben oder erdulden wollen und wie viel davon zu erwarten war und wie viel nicht.

Keine "glatt gebügelte" Sprache verwenden - keine Schere im Kopf

Ganz generell sollten sich Autorinnen und Autoren erotischer Romane ohnehin nicht an der „glattgebügelten“ Sprache der „sozialen Korrektheit“ orientieren. In der modernen Weichspül-Sprache sind Frauen beispielsweise immer „Opfer“, und sie tragen nichts dazu bei, in die jeweilige Situation zu kommen. Anders im erotischen Roman: Hier beginnt die Situation, die später eskalieren wird, nicht selten mit einer Provokation. Die Heldin will beweisen, wie sinnlich, begehrenswert, mutig, lustvoll oder gar leidensbereit ist. (Erinnern Sie sich bitte daran, dass «Die Geschichte der „O“») allein aus diesem Grund geschrieben wurde). Besonders deutlich wird dies im Roman „Lulu“ von Almudena Grandes, in dem die Heldin ihren Partner sogar damit reizt, dass sie vor seinen Augen einen Vibrator benutzt und darüber klagt, dass dieser keine „schnellen Stöße“ produzieren könne. Dann aber wird sie von seinen Wünschen überfordert und windet sich beim darauf folgenden Analverkehr unter Schmerzen.

Die Szenen werden also häufig so aufgebaut:

1. Die Frau provoziert, und hofft damit Lüste auszulösen.
2. Die Provokation gelingt, aber der Partner will etwas anderes, als sie sich gedacht hat.
3. Sie leidet unter dem, was er fordert, und fühlt sich am Ende ratlos, missbraucht oder auf merkwürdige Art zwiespältig.
4. Oftmals wandelt sich die Demütigung in ein lustvolles Schwelgen oder in plötzlich wieder einsetzende Lust.

Ist es eine heterosexuelle Szene, so bauen Sie die Szene mit Rücksicht auf Ihre empfindsamen Leserinnen besser so auf, dass die Heldin nicht absehen konnte, was mit ihr geschehen würde. Diese Regel gilt nicht in gleichem Maße für die lesbisch orientierte Beziehung, weil sich in ihr manche Frau auch mit der gewaltbereiten Verführerin identifizieren könnte.

Im Beispiel (nochmals Lulu“) sagt die Heldin, nachdem sie die Gewalt ertragen hatte und bei einer anderen Form des Geschlechtsverkehrs wieder Lust empfand:

«Die Erinnerung an die Gewalt verlieh meiner Lust eine unwiderstehliche Nuance, die mich überwältigte und ein furioses Ende auslöste.“


Gewalt, die von Frauen ausgeht

Während es relativ einfach ist, Männer als gewaltbereite Verführer darzustellen, sei es in heterosexuellen oder homosexuellen Beziehungen, so ist es meist schwieriger, die Gewaltbereitschaft von Frauen zu schildern. Dennoch wird es gelegentlich erfolgreich getan, wie beispielsweise in „Fuchsia“, bei der die dämonische Verführerin keinerlei Rücksicht auf die Verletzlichkeit ihres Opfer nimmt, sondern sie in abstoßend-faszinierender Weise erniedrigt. Dabei wird ohne jegliche Rücksicht das ansonsten unter Frauen bekämpfte Rezept: „Nimm sie dir – sie will es doch auch“ durchgesetzt.

Auch die Erniedrigung von Männern durch Frauen ist ein häufiges Thema, das am besten in Gigi Martins Erzählung „Die Herrin“ zum Ausdruck kommt. Hier ist das Opfer ein Mann, der von der eher zufällig zur „Herrin“ gewordenen Heldin auf bestialische Weise gequält wird, weil er ihr „hörig“ geworden ist. Interessant ist dabei allerdings –wie auch in fast allen anderen Werken dieser Art – dass zwischen den beiden Hauptpersonen keine Liebesaffäre, ja nicht einmal eine wirklich tiefe erotische Beziehung aufgebaut wird.

Über den Wert der Psychologie und Psychiatrie in erotischen Romanen

Viele Autorinnen fühlen sich veranlasst, nach einem Grund für die Handlungsweise der gewalttätigen oder unterwürfigen Helden zu suchen. Interessanterweise wird beim männlichen Opfer sogar Verständnis für die Unterwürfigkeit geweckt – bei Gigi Martin ebenso wie bei E.L. James. Dabei bemüht man sich, sich an der Psychologie von Sigmund Freud und an der Psychiatrie von Krafft-Ebing zu orientieren, die in Kombination Folgendes sagt:

Wer als Jugendlicher in sexuellem Zusammenhang geschlagen oder gedemütigt wurde, wird als Erwachsener versuchen, dies entweder aktiv oder passiv zu wiederholen. Er wird also Sadist, Masochist oder Sadomasochist.


Ob diese Theorien nun richtig sind oder nicht – das Volk hat sie verinnerlicht und glaubt an den „späten Fluch der bösen Tat“. Als Autor/Autorin können Sie deshalb aus der Jugenderinnerung entweder ein „ach, der arme Junge“, oder ein „blödes Schwein, er soll an seiner Neigung ersticken“ machen. Ich weise jedoch darauf hin, wie unsinnig es ist, in der erotischen Literatur auf psychologischen Theorien aufzubauen. Entscheidend sind die Gefühle der Handelnden – nicht der psychologische Hintergrund.

Kommen wir noch einmal zurück zur Gewalt. Sie ist, ich sagte es zu Anfang, nicht das, was die Leserinnen und Leser oberflächlich wahrnehmen. Wer sich hingibt, gleich, in welchem Zustand und unter welchen Umständen, lässt zu, dass ein Anderer „Gewalt über sie/ihn“ gewinnt. Wer aktiv verführt, übt immer auch Gewalt aus. Die einzige Frage, die Sie sich als Schriftsteller nun stellen sollten, ist die, wie sie damit umgehen. Dies ist sicherlich eine Herausforderung, die Sie nur dann meistern können, wenn sie sich ganz sicher sind, Gefühle „aus dem Innersten“ heraus zu schildern. Nehmen wir einmal an, das gelänge Ihnen nicht, so wären sie auf Klischees angewiesen, die Sie aus der Psychologie übernehmen können.

Konnte ich Ihnen damit helfen? Dann sagen Sie es Anderen. Wenn nicht, dann sagen Sie es mir.

Bild (leicht koloriert und retuschiert) nach einer Zeichnung von Topfer.

Der innere Konflikt, seine Psychologie und seine erotische Darstellung

Der Teil "erotisch schreiben" ist umgezogen. Auf der neuen Webseite, SinnlichSchreiben, können Sie ihn nach wie vor lesen. Der neue Titel: Die Psychologie des inneren Konflikts - und seine erotische Darstellung

Dort bekommen sie unter anderem:

- Ideen in Hülle und Fülle.
- Themen, die Ihre Fantasie anregen.
- Innovative Möglichkeiten, erotisch zu schreiben.
- Neue Wege abseits der ausgetretenen Pfade.
- Hintergrundinformationen zu komplexen erotischen Themen.
- Statistiken zu erotischen Fantasien und wissenschaftliche Thesen.
- Alternativen zur Beschreibung sexueller Handlungen.
- Psychologische Hintergründe, die nur wenige kennen.


Sag, wie es ist – nicht, wie es eine naive Leserin gerne hätte

Puff - und weg ist der Artikel, der hier stand. In einem neuen Blog, "Sinnlich Schreiben" bekommen Sie ihn zurück (siehe Link) aber noch viel mehr:

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Sie lesen den gesuchten Artikel dort ebenfalls, neu aufbereitet für Autorinnen und Autoren - und äußert wertvoll für alle, die mehr wollen als "geil" schreiben: Schreiben Sie nicht das, was eine naive Leserschaft gerne hätte







Die dampfende Tasse Tee – ein Klischee

Ob Kaffee oder Tee - es ist nicht die "dampfende Tasse", sondern der Duft, der ihr entströmt


Heute will ich Ihnen an einem sehr einfachen Beispiel verdeutlichen, was ein Klischee für Autorinnen und Autoren bedeutet. Das Beispiel, das ich gewählt habe, ist so populär, dass es sogar Übersetzungsvorschläge ins Englische gibt.

Es ist, wie Sie anhand meines Titels unschwer ermitteln können, die dampfende Tasse Tee. Sie findet in manche gefühlsbetonte Erzählungen Eingang, und Sie können fast sicher sein, dass sie dort nicht hinpasst, wo sie vor sich hin dampft.

Zunächst die Logik - "dampfende Tassen"

Lassen Sie mich zunächst einmal logisch vorgehen, obwohl dies schreibende Damen in der Regel nervt. Tassen dampfen nicht, weil sie aus Materialen hergestellt sind, die ihren Aggregatzustand normalerweise nicht verändern. Nun könnte man einwenden, bei einem süffigen Glas Bier sei ja auch nicht das Glas süffig, sondern das Bier. Der Streit ist alt: Ist eine "Tasse Tee" eine Tasse, in der sich Tee befindet? Oder ist eine Tasse Tee ein Maß für den Tee, so, wie man im Restaurant „eine Tasse“ Kaffee oder Tee bestellt? Hier gibt es spitzfindige Definitionen: Zwei Glas Bier oder zwei Gläser Bier? Bei Tassen finden wir den Begriff des Maßes nicht: „Hatten Sie zwei Tasse Tee?“ Aber nein, ich hatten zwei Tassen Tee.“

Ich hoffe, Sie haben nach diesen Ausführungen noch alle Tassen im Schrank. Sehen wir uns lieber mal an, wann der Tee dampft, den ohne Zweifel könnte der Tee in den Tassen dampfen. Dann hat Eva keine „Tasse dampfenden Tee vor sich“, sondern „der Tee in Evas Tasse dampfte noch und sandte heimelige Gerüche aus.“ Das klingt solange sinnreich, wie der Tee und sein Duft in der Geschichte eine Rolle spielen, und – soweit der Tee wirklich dampft.

Dampft Tee überhaupt?

Nun dampft aber ein Heißgetränk in einem zentralbeheizten Büro oder im Boudoir einer Dame, wenn überhaupt, nur für kurze Zeit und kaum sichtbar. Anders verhält es sich möglicherweise auf einer ungeheizten Hütte im Winter, in der das junge Paar Unterschlupf findet. Hier kondensiert der Wasserdampf sich zu winzigen Töpfchen, die wir als „Dampf“ auf dem Tee entdecken können. In dieser Situation kann der Autor der Geschichte den Dampf wirklich zum Leben erwecken.

Die „dampfende Tasse Tee“ ist also ein Klischee, das sich hundertfach „abziehen“ lässt, eine Sprachschablone ohne Inhalt. Sei wird verwendet, um insbesondere romantischen Liegegeschichten den Anschein von sinnlichen Gefühlen zu geben.

Keine dampfenden Tassen, sondern die Gefühle, die der Dampf auslöst

Wenn Sie den Tee in eine Geschichte einführen, beschreiben Sie stattdessen den Duft, den er aussendet, den Geschmack, den Sie auf der Zunge behalten und das wohlige Gefühl der Wärme, das er in Ihrem Körper entfaltet.

Bild: Henri Meunier, Poster, 1897