Skip to content

Lustvolle Themen (9) Ideen für erotisches Schreiben - Mittelalter

Ich muss Sie heute enttäuschen - unser Artikel wird überarbeitet und erscheint voraussichtlich im April 2015 neu auf "Sinnlich schreiben". Wenn sie in der Zwischenzeit Fragen haben, dann beantworte ich sie ihnen gerne. Nur soviel: Im Mittelalter waren Bademägde nicht nur die Gehilfen des örtlichen Baders, sondern trugen auch einen beachtlichen Anteil zur Prostitution bei. Und die sogenannten Minnesänger waren in Wahrheit keine Tugendbolde, sondern teils raffinierte, teils armselige Kreaturen, die versuchten, sich in die Herzen und die Vaginen der Damen einzuschleichen.

Dominanz, Demut und die Frau als Autorin erotischer Romane

Keine Hemmschwellen benötigen Sie, um nachzulesen, was Frauen und Demut für erotische Romane bedeuten.

Lustvolle Themen (3) Ideen für erotisches Schreiben - Dreier

WerbungC-Date your casual dating site
Unser Vorschläge zu erotischen Themen für Autorinnen und Autoren wurden allesamt verlagert auf „SinnlichSchreiben“. Dort finden Sie in Zukunft nicht nur die hier gelöschten Vorschläge wieder, sondern auch zahllose neue Ideen. Ferner veröffentlichen wie dort „Saisonvorschläge“, die besonders gut in die Jahreszeit passen.

Die dort veröffentlichen Vorschläge und Fragmente in der Kategorie eins – „Sinnliche Ideen“ dürfen weiterverwendet, ausgebaut und variiert werden, solange sie nicht als “Schreib-Tipps” im Internet verbreitet warden und keine Rechte Dritter (fremde Zitate sind gekennzeichnet) verletzt werden.

Thema Verführungen: Abgegrast oder noch interessant?

Verführerinnen und Verführer - wie Sie darüber schreiben können


Verführungen sind das Salz in der Suppe der erotischen Literatur, weil in ihnen ein natürlicher Spannungsbogen liegt, den die Autorin nur mit Leben füllen muss.

Eine erotische Verführung beruht auf zwei (selten mehr) Personen, denen unterschiedliche Rollen zugewiesen werden. Eine der Personen agiert als aktiver Verführer, der zumeist „alle Register“ zieht, um sein Ziel zu erreichen. Die andere Rolle fällt der zu verführenden Person zu. Sie befindet sich üblicherweise in dem Zwiespalt, sich mit einem Teil ihres Wesens zu verweigern, mit einem anderen, eher geheimen Teil ihrer Psyche aber durchaus bereit zu sein, sich dem Verführenden auszuliefern.

Das bedeutet: Zu Anfang Ihrer Geschichte besteht kein Konsens zwischen beiden, und das Ergebnis der Verführung ist offen. Je nachdem, wie Sie das Metier der Schreibkunst beherrschen, können sie nun den Zwiespalt farbig ausmalen. Dabei schildern Sie möglichst intensiv die „beiden Seelen in der Brust“ der Heldin abspielen, während die Stichworte durch die Aktivitäten des Verführers vorgegeben werden. Ich kann nur empfehlen, solche Geschichten sehr direkt aus der Sicht der Heldin, also der Verführten, zu erzählen.

Abgegrastes Thema Verführung?

Allerdings ist das Thema der Verführung inzwischen bis auf den Rasen abgegrast, sodass es großer Erzählkunst bedarf, um Leserinnen für „ganz gewöhnliche“ Verführungen zu begeistern. Wenn Sie es dennoch versuchen wollen, sollten Sie beide Stränge der Geschichte, also die Abwehr und die Bereitschaft, möglichst transparent schildern. Denken Sie daran, dass sich die Leserin gerne selber in der Rolle sieht, und je mehr sie sich beteiligt fühlt, umso besser.

Thematisieren: die Furcht vor den Folgen kontra Freude an der Lust

Will man der Verführung mehr Farbe verleihen, so kann man viele Wege gehen. Einer der Bekanntesten besteht darin, dass sich die Frau wohl gerne verführen ließe, aber sich nicht sicher ist, welche Folgen dies für sie haben könnte. In früheren Zeiten war es die gesellschaftliche Ächtung und die mögliche Schwängerung, während die heutigen Heldinnen eher die Reise in ein unübersehbares Abenteuer fürchten, wie beispielsweise SM-Aktvitäten.

Das doppelseitige Spiel: Sich verführen lassen

Eine sehr hübsche Variante für Frauen besteht darin, von vornherein zu wissen, dass sie verführt werden wollen, sie aber für den Verführer immer wieder Hindernisse aufbauen, um seine Bemühungen zu erschweren und weiter anzustacheln. Bei dieser Variante müssen Sie nicht so sehr auf die Gefühle achten, sondern können dem äußeren Geschehen breiten Raum geben – und dabei auch durchaus etwas Humor beweisen.

Situative Verführungen

Eine sehr moderne Variante der Verführung, die Sie sicher schon einmal in einmal in einem Film gesehen haben, ist die Verführung aus einer neutralen Situation heraus. Das Paar hat sich getroffene, um etwas zu diskutieren, und plötzlich beschließt einer von beiden, den anderen zu verführen, während dieser sich zu Anfang sträubt. Aus einem normalen sozialen Kontakt wird also eine Verführung. Geschichten dieser Art sind in der Regel sehr kompakt aufgebaut, sodass sie sich auch für Kurzgeschichten eignen. Je normaler der anfängliche Kontakt, umso erregender ist es für die Leserin, in den Strudel der Verführung hineingerissen zu werden. Falls Sie keine Scheu vor lesbischen Szenen haben, können Sie ihre Heldin situativ durchaus von einer Frau verführen lassen. Das klingt zwar merkwürdig, ist aber für Autorinnen höchst plausibel, weil sich Frauen in der Regel besser in die Gefühlswelt anderer Frauen hineindenken können als in die Gefühle der Männer.

Die Frau als Verführerin

Ich habe die Frau als Verführerin schon zwei Mal erwähnt: einmal, indem sie vorgibt, die Verführte zu sein, und einmal als gleichgeschlechtliche Verführerin. Selbstverständlich waren Frauen immer aktive Verführerinnen, aber erst in den letzten Jahren ist die einer breiten Öffentlichkeit bewusst geworden. Wenn Sie eine Frau schildern, die aktiv verführt, und wenn Sie aus der ICH-Position heraus schreiben, sollten Sie sich mit der Rolle intensiv auseinandersetzen. Eine Verführerin hat einen Grund, zu verführen, und sie benötigt Konsequenz, um dieses Ziel zu erreichen, das heißt, sie „spielt nicht ein bisschen Verführung“. In den letzten Jahren ist das Thema „Ältere Frau verführt deutlich jüngeren Mann“ populär geworden, das umso mehr verzückt, je unschuldiger sich der junge Mann der Verfügung unterwirft.

Zusammenfassung – Verführungen

Die/der Verführte

Die Person, die verführt wird, sollte mit beiden Gefühlssträngen, also dem ablehnenden und dem begierigen Zweig geschildert werden. In einem Roman lassen sich beide Zweige bereits zuvor ansatzweise skizzieren, die Kurzgeschichte lebt ausschließlich vom Moment des “inneren Konflikts“. Beides gilt im Wesentlichen nur dann, wenn der/die Verführte als Icherzähler auftritt oder der/die Verführte im Fokus steht.

Die/der Verführer(in)

Zweckmäßigerweise bleiben Verführer oder Verführerin Stichwortgeber, wenn die Geschichte aus der Sicht des/der Verführten erzählt wird. Handelt es sich jedoch um die Verführerin selbst, die als Icherzählerin fungiert oder die stark im Fokus steht, so muss die Heldin (der Held) genügend Konsequenz zeigen, um sein Ziel durchzusetzen. Aus meiner Sicht ist die schwieriger zu realisieren, vor allem für weibliche Autoren.

Erotisch schreiben: der Penis, der Samenerguss und der Orgasmus des Mannes

Dieser Artikel ist umgezogen: die Existenz von Sperma gehört zu erotischen Literatur, kommt aber dort kaum vor.

Gewalt in der erotischen Literatur: notwendig oder sinnlos?

Modern oder historisch - wie wirkt Gewalt in der Erotik?


Gestatten Sie mir bitte zunächst, dass ich den Begriff der „Gewalt“ ein wenig zurechtrücke – denn dieser Begriff ist im Deutschen wahrhaftig unter die Räder gekommen. Wir benutzen ihn in erster Linie, wenn wir von „brutaler Gewalt“ reden und er kommt in „Vergewaltigung“ vor. Beides macht ihn zum Unwort. Dabei spielt die Gewalt in der Liebe eine größere Rolle, als Sie denken. Denn in der Liebe geben wir die „Gewalt über uns“ ja ganz bewusst ab – wir wollen sie gar nicht mehr, sondern wir wollen uns der Lust oder dem Partner „hingeben“. Der Verlust der Gewalt über sich selbst im Lieberausch ist legendär, und ebenso die Übergabe der Gewalt an den Partner: „Du kannst alles mir mir machen, alles, was du willst“, ist eine der üblichen Formeln.

Gewalt ist nicht an ein Geschlecht gebunden

Gewalt im erotischen Roman ist nicht an das Geschlecht gebunden, es sei denn, durch die „Schere im Hirn“. Mit Recht verpönt ist brutale körperliche Gewalt, um den Beischlaf zu erzwingen, weil sie einen Straftatbestand erfüllt – sie kommt allerdings umso häufiger im Kriminalroman vor. Im erotischen Roman hingegen ist die Szenerie von zahllosen Konflikten durchzogen. Sie zeigt sich darin, wie viel Gewalt die Protagonisten ausüben oder erdulden wollen und wie viel davon zu erwarten war und wie viel nicht.

Keine "glatt gebügelte" Sprache verwenden - keine Schere im Kopf

Ganz generell sollten sich Autorinnen und Autoren erotischer Romane ohnehin nicht an der „glattgebügelten“ Sprache der „sozialen Korrektheit“ orientieren. In der modernen Weichspül-Sprache sind Frauen beispielsweise immer „Opfer“, und sie tragen nichts dazu bei, in die jeweilige Situation zu kommen. Anders im erotischen Roman: Hier beginnt die Situation, die später eskalieren wird, nicht selten mit einer Provokation. Die Heldin will beweisen, wie sinnlich, begehrenswert, mutig, lustvoll oder gar leidensbereit ist. (Erinnern Sie sich bitte daran, dass «Die Geschichte der „O“») allein aus diesem Grund geschrieben wurde). Besonders deutlich wird dies im Roman „Lulu“ von Almudena Grandes, in dem die Heldin ihren Partner sogar damit reizt, dass sie vor seinen Augen einen Vibrator benutzt und darüber klagt, dass dieser keine „schnellen Stöße“ produzieren könne. Dann aber wird sie von seinen Wünschen überfordert und windet sich beim darauf folgenden Analverkehr unter Schmerzen.

Die Szenen werden also häufig so aufgebaut:

1. Die Frau provoziert, und hofft damit Lüste auszulösen.
2. Die Provokation gelingt, aber der Partner will etwas anderes, als sie sich gedacht hat.
3. Sie leidet unter dem, was er fordert, und fühlt sich am Ende ratlos, missbraucht oder auf merkwürdige Art zwiespältig.
4. Oftmals wandelt sich die Demütigung in ein lustvolles Schwelgen oder in plötzlich wieder einsetzende Lust.

Ist es eine heterosexuelle Szene, so bauen Sie die Szene mit Rücksicht auf Ihre empfindsamen Leserinnen besser so auf, dass die Heldin nicht absehen konnte, was mit ihr geschehen würde. Diese Regel gilt nicht in gleichem Maße für die lesbisch orientierte Beziehung, weil sich in ihr manche Frau auch mit der gewaltbereiten Verführerin identifizieren könnte.

Im Beispiel (nochmals Lulu“) sagt die Heldin, nachdem sie die Gewalt ertragen hatte und bei einer anderen Form des Geschlechtsverkehrs wieder Lust empfand:

«Die Erinnerung an die Gewalt verlieh meiner Lust eine unwiderstehliche Nuance, die mich überwältigte und ein furioses Ende auslöste.“


Gewalt, die von Frauen ausgeht

Während es relativ einfach ist, Männer als gewaltbereite Verführer darzustellen, sei es in heterosexuellen oder homosexuellen Beziehungen, so ist es meist schwieriger, die Gewaltbereitschaft von Frauen zu schildern. Dennoch wird es gelegentlich erfolgreich getan, wie beispielsweise in „Fuchsia“, bei der die dämonische Verführerin keinerlei Rücksicht auf die Verletzlichkeit ihres Opfer nimmt, sondern sie in abstoßend-faszinierender Weise erniedrigt. Dabei wird ohne jegliche Rücksicht das ansonsten unter Frauen bekämpfte Rezept: „Nimm sie dir – sie will es doch auch“ durchgesetzt.

Auch die Erniedrigung von Männern durch Frauen ist ein häufiges Thema, das am besten in Gigi Martins Erzählung „Die Herrin“ zum Ausdruck kommt. Hier ist das Opfer ein Mann, der von der eher zufällig zur „Herrin“ gewordenen Heldin auf bestialische Weise gequält wird, weil er ihr „hörig“ geworden ist. Interessant ist dabei allerdings –wie auch in fast allen anderen Werken dieser Art – dass zwischen den beiden Hauptpersonen keine Liebesaffäre, ja nicht einmal eine wirklich tiefe erotische Beziehung aufgebaut wird.

Über den Wert der Psychologie und Psychiatrie in erotischen Romanen

Viele Autorinnen fühlen sich veranlasst, nach einem Grund für die Handlungsweise der gewalttätigen oder unterwürfigen Helden zu suchen. Interessanterweise wird beim männlichen Opfer sogar Verständnis für die Unterwürfigkeit geweckt – bei Gigi Martin ebenso wie bei E.L. James. Dabei bemüht man sich, sich an der Psychologie von Sigmund Freud und an der Psychiatrie von Krafft-Ebing zu orientieren, die in Kombination Folgendes sagt:

Wer als Jugendlicher in sexuellem Zusammenhang geschlagen oder gedemütigt wurde, wird als Erwachsener versuchen, dies entweder aktiv oder passiv zu wiederholen. Er wird also Sadist, Masochist oder Sadomasochist.


Ob diese Theorien nun richtig sind oder nicht – das Volk hat sie verinnerlicht und glaubt an den „späten Fluch der bösen Tat“. Als Autor/Autorin können Sie deshalb aus der Jugenderinnerung entweder ein „ach, der arme Junge“, oder ein „blödes Schwein, er soll an seiner Neigung ersticken“ machen. Ich weise jedoch darauf hin, wie unsinnig es ist, in der erotischen Literatur auf psychologischen Theorien aufzubauen. Entscheidend sind die Gefühle der Handelnden – nicht der psychologische Hintergrund.

Kommen wir noch einmal zurück zur Gewalt. Sie ist, ich sagte es zu Anfang, nicht das, was die Leserinnen und Leser oberflächlich wahrnehmen. Wer sich hingibt, gleich, in welchem Zustand und unter welchen Umständen, lässt zu, dass ein Anderer „Gewalt über sie/ihn“ gewinnt. Wer aktiv verführt, übt immer auch Gewalt aus. Die einzige Frage, die Sie sich als Schriftsteller nun stellen sollten, ist die, wie sie damit umgehen. Dies ist sicherlich eine Herausforderung, die Sie nur dann meistern können, wenn sie sich ganz sicher sind, Gefühle „aus dem Innersten“ heraus zu schildern. Nehmen wir einmal an, das gelänge Ihnen nicht, so wären sie auf Klischees angewiesen, die Sie aus der Psychologie übernehmen können.

Konnte ich Ihnen damit helfen? Dann sagen Sie es Anderen. Wenn nicht, dann sagen Sie es mir.

Bild (leicht koloriert und retuschiert) nach einer Zeichnung von Topfer.

Der innere Konflikt, seine Psychologie und seine erotische Darstellung

Der Teil "erotisch schreiben" ist umgezogen. Auf der neuen Webseite, SinnlichSchreiben, können Sie ihn nach wie vor lesen. Der neue Titel: Die Psychologie des inneren Konflikts - und seine erotische Darstellung

Dort bekommen sie unter anderem:

- Ideen in Hülle und Fülle.
- Themen, die Ihre Fantasie anregen.
- Innovative Möglichkeiten, erotisch zu schreiben.
- Neue Wege abseits der ausgetretenen Pfade.
- Hintergrundinformationen zu komplexen erotischen Themen.
- Statistiken zu erotischen Fantasien und wissenschaftliche Thesen.
- Alternativen zur Beschreibung sexueller Handlungen.
- Psychologische Hintergründe, die nur wenige kennen.


Sag, wie es ist – nicht, wie es eine naive Leserin gerne hätte

Puff - und weg ist der Artikel, der hier stand. In einem neuen Blog, "Sinnlich Schreiben" bekommen Sie ihn zurück (siehe Link) aber noch viel mehr:

- Ideen in Hülle und Fülle.
- Themen, die Ihre Fantasie anregen.
- Innovative Möglichkeiten, erotisch zu schreiben.
- Neue Wege abseits der ausgetretenen Pfade.
- Hintergrundinformationen zu komplexen erotischen Themen.
- Statistiken zu erotischen Fantasien und wissenschaftliche Thesen.
- Alternativen zur Beschreibung sexueller Handlungen.
- Psychologische Hintergründe, die nur wenige kennen.

Sie lesen den gesuchten Artikel dort ebenfalls, neu aufbereitet für Autorinnen und Autoren - und äußert wertvoll für alle, die mehr wollen als "geil" schreiben: Schreiben Sie nicht das, was eine naive Leserschaft gerne hätte







Ich spürte, wie sie mich spürte …

Heute möchte ich Sie auf das kleine Wort „spüren“ aufmerksam machen. Es bezeichnet die Fähigkeit vieler Lebewesen, aufgrund ihrer Nervenenden etwas wahrzunehmen, was für sie im Moment nicht auf andere Weise erkennbar ist. Es ist verwandt mit dem Wort „fühlen“ und wird ähnlich benutzt.

In einem anderen Zusammenhang wird das Wort auch im Sinne von „aufspüren“ benutzt. Empfindungen der Psyche kann man nicht sofort „spüren“, sondern es ist nötig, ihrer Spur zufolgen, sie also zu erspüren oder ihrer Spur nachzugehen. Schiller hat es in der Glocke auf den Punkt gebracht:

Das ists ja, was den menschen zieret,
und dazu ward ihm der verstand,
dasz er im innern herzen spüret,
was er erschafft mit seiner hand.

(Rechtschreibung wie im "Grimm" zitiert)

Spürt jemand etwas körperlich, so ist anzunehmen, dass er dies nicht erwartet hat – sonst würde er nicht behaupten, es zu spüren. Erotik-Autorinnen und Autoren begehen häufig den Fehler, alles, was sich fühlen lässt, mit „fühlen“ einzuleiten, und alles, was sich spüren lässt, mit „spüren“. Doch „spüren“ sollte auf die Momente reduziert werden, in denen keine andere Wahrnehmung möglich ist.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel, das gleich mehrere unsinnige Formulierungen enthält:

Ihre Hand wanderte an den Knöpfen meines Oberhemds herunter herunter und öffneten mir die Hose. Ich spürte ihre Hand, die meinen Penis mit feuchten Händen umfasste.


Wie immer in meinen Beispielen habe ich das Original-Zitat, das tatsächlich so geschrieben wurde, leicht abgewandelt.

Der Autor führt sich selbst in die Irre, indem er die Hand von der Person abkoppelt, die dann irgendwelche „Dinge tut“. Denken Sie bitte stets daran: Eine Hand wandert nicht von selbst. Zwar kann man das Stilmittel „selbstständiger Körperteile“ gelegentlich einsetzen, hier wirkt es aber völlig deplatziert. Nachdem der Autor einen falschen Ansatz verfolgt, ist muss er zwangsläufig weitere Fehler machen: Eine wandernde Hand öffnet keine Hose. Dazu sind Finger nötig, und eine Hose zu öffnen, ist ein vergleichsweise komplizierter, sehr intimer Prozess, den der Autor in seiner Ausdrucksweise nicht nicht einmal im Ansatz bildhaft beschreiben kann. Hier ist alles „Hose wie Dose“. Auch ein drittes Mal greift der Autor daneben, diesmal etwas peinlicher. Weil er sich zu lange an der „selbst bewegten“ Hand festgehalten hat, fällt ihm gar nicht, auf dass plötzlich beide Hände am Penis liegen, nachdem er „ihre Hand spürte“. Was hatte er eigentlich vorher wahrgenommen?

Ich habe im Internet einige Textstellen gesammelt, ihren Ursprung unkenntlich gemacht und präsentiere Ihnen hier die Stilblüten:

Ich spürte …
… ihre Zunge.
… Ihren Schweiß.
… ihren Atem.
… ihren Körper.
… sie an meinem Körper.
… ihre Brust an meinem Körper.
… ihr Herz schlagen.
… ihr Blut pochen.
… ihre Lusthöhle.
… ihre nackte Haut.
… ihre spitzen Fingernägel.

Jedes dieser Zitate ist einer Textstellen entnommen, in der sich die Person mit dem Erzähler in direktem Kontakt befand. Er war also nicht auf das passive „Erfühlen“ angewiesen. Sie hätte ihre Zunge zwischen seine Lippen zwängen können. Ihr Schweiß hätte Perlen bilden können, ihr Atem hätte seine Haut streifen können … bis hin zu den spitzen Fingernägeln, die sie schmerzhaft in seine Haut drückt.

Also: Setzen Sie das körperliche „Spüren“ nur dann ein, wenn der Umstand, etwas zu „spüren“, Ihren Helden überrascht.

Ganz anders verhält es sich mit dem emotionalen Spüren. Damit ist ein eher „unbestimmtes“ Gefühl gemeint, das nach einer Beschreibung verlangt, etwa, wenn die Heldin plötzlich Angst verspürt, sei seine Verachtung verspürt oder wenn sich ein Gefühl der Liebe oder der Lust, das lange verschüttet war, wieder bemerkbar macht.

Haben Sie weiterhin Lust, mir zu folgen? Ich bitte darum.

Später ergänzt: Ich wurde gestern darauf angesprochen, wie man den Abschnitt verbessern könnte. bitte schön:

Sie ließ ihre Hand über die Knopfleiste meines Oberhemds wandern. Am Hosenbund hielt sie inne, um dann mit geübten Fingern meinen Hosengürtel zu öffnen und den Reißverschluss herunterzuziehen. Sie griff ohne zu zögern unter meine Boxershorts, um meinen Penis mit ihren warmen und feuchten Händen zu umfassen.


Also bitte - es geht ohne das Wort "spüren".