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Die Hintergründe des Schreibens über Gefühle

Dieser Artikel handelt vom Umgang mit Gefühlen – aus der Sicht eines Schriftstellers. Er behandelt die Möglichkeiten, echte wie auch vorgespielte Gefühle zu schildern. Sie können seinen Inhalt benutzen, um starke, schwache, starke, edle, hinterhältige oder gemischte Gefühle zu schildern.

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Frau und Mann - wie beschreibt man die Gefühle?

Gefühle lassen sich oft schwer beschreiben ...

Die Kultur des 21. Jahrhunderts ist von pseudo-wissenschaftlichen Werken über Frauen und Männer ähnlich stark durchseucht wie in den vergangenen Jahrhunderten. Leider oder dankenswerterweise, wie man es nimmt, ist das ganze kulturelle Elend der Soziologie und Psychologie aber heute „online“. Wer nach „der Frau aus der Sicht des Mannes in der Literatur“ sucht (oder umgekehrt) erkennt bald den Schrecken der neuen Zeit: Das Internet ist der Platz, an dem die Wissenschaft ihren Müll ablädt. Draus bedienen sich die Hyänen und Geier, die populärwissenschaftliche Literatur am Fließband produzieren.

Gefühle "als solche" sind geschlechtslos

Die Schriftstellerin oder der Schriftsteller haben in der Regel andere Sorgen: Wenn sie ihre Charaktere in „Nahaufnahme“ zeigen wollen, müssen sie tief in ihr Gefühlsleben absteigen, und das lässt sich nicht einfach in die üblichen Schuhkartons der Wissenschaftler einordnen. Ja, wenn wir unsere Empfindungen wirklich ernst nehmen, können wir sie nicht einmal in „männlich“ und „weiblich“ aufteilen. Gefühle an sich haben kein Geschlecht. In der Liebe, bei der Lust und der Sexualität wirken sie sich unsere Gefühle möglicherweise anders aus – und diese Auswirkungen lassen sich dann beschreiben.

Ich sage Ihnen dies heute vor allem, um Sie selbst anzuregen, nicht mit Klischees zu arbeiten. Dazu gebe ich Ihnen eine Hilfe.

Wie entstehen Gefühle - und wie kann man sie beschreiben?

Gefühle aller Art sind zunächst biologisch bedingte Prozesse, bevor wir sie überhaupt als „Gefühle“ wahrnehmen, also als ungewöhnliche Veränderungen unseres Gemüts. Das gewöhnliche Repertoire der Säugetiere, Primaten und Menschen ist darauf vorbereitet, den Körper zu steuern und zum „Sprechen“ zu bringen.

Ungewöhnlich und bisweilen höchst merkwürdig, dazu noch weitgehend unerforscht, ist der Prozess der sogenannten Analog-digital-Wandlung im menschlichen Gehirn, der uns in die Lage versetzt, Gefühle in Sprache zu äußern und über Sprachmittel zu empfangen. Dem liebenden Mann oder der geliebten Frau mag es noch die Sprache verschlagen, wenn es beiden darum geht, einander die Liebe zu erklären. Aber den Schriftstellerinnen und Schriftstellern sollte möglich sein, sich in eben dieser Sprache bildhaft auszudrücken.

Was ist nun so schwierig, und was hat dies mit den Geschlechtern zu tun?

Die Gefühlspyramide und wie Sie bis zum Wort kommen

Versuchen wir einmal, eine Pyramide der Gefühle auszubauen, dann wird deutlich, wo die Schwierigkeiten liegen:

1. Die Gefühle, die Menschen haben, folgen biologisch bedingten Mustern.
2. Diese Muster werden aber von anderen Einflüssen wie Erziehung und Kultur durchwebt.
3. Ein Teil dieser Muster ist kollektiv vorhanden, ein Teil aber nur individuell.
4. Die Literatur spricht nicht die Muster an, sondern versucht, individuelle Gefühle zu beschreiben.
5. Gefühle stehen immer analog, sie bilden also stufenlose, fließende Kurven.
6. Das analog erkennbare Gefühl öffnet sich nur dem Betrachter, beispielsweise in der Körpersprache.
7. Der Schriftsteller sollte in der Lage sein, Gefühle zu beschreiben – um sie auf universelle Art vermittelbar zu machen.
8. Die Heldinnen und Helden versuchen es üblicherweise auch. Hier beginnt das Metier, in dem der Schriftsteller gefordert ist, denn aus der Kommunikation heraus entstehen lebendige Geschichten.
9. Aus der verbalen Kommunikation, gleich, wie bruchstückhaft sie ist, können Rückschlüsse auf die Befindlichkeit geschlossen werden. In der Technik heißt dies „Blackbox-Prinzip“.
10. Als Schriftsteller(in) können Sie also die Gefühle (beispielsweise eines Liebespaars) durch Dialoge darstellen. Verbinden Sie diese dann noch mit Gedanken, so entstehen Bilder, die von üblichen Geschlechterklischees abweichen.
Natürlich haben wir nun noch noch nicht die Frage geklärt, ob Sie als Frau tief in die Seele eines Mannes hineintauchen können und als Mann tief in die Seele einer Frau.

Gefühle beschreiben, niemals Klischees verwenden

Bevor Sie sich die Frage stellen: Wie tief können Sie eigentlich in die Seele anderer Frauen abtauchen, wenn Sie eine Frau sind, und zwar außerhalb von Klischees? Ein Klischee wäre beispielsweise: „Wir Frauen verstehen einander ohne Worte“ oder „Ich fühle genau so wie du“. Wenn Sie Autorin werden wollen, sollten Sie diese Klischees schleunigst aufbrechen. Für Männer gilt dies spiegelverkehrt auch, nur mit dem kleinen Unterschied, dass Männer zumeist hassen, sich den Gefühlen anderer Männer zu öffnen. Falls Sie Autor werden und glaubwürdig Geschichten über die Liebe schreiben wollen, sollten Sie auch diese Kluft überwinden.