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Krimi-Klamotte als TATORT aus Frankfurt

Die Presse kommt aus dem Lobhudeln über den neuen Tatort-Krimi gar nicht heraus: ja, das war mal etwas. Nicht wahr? Da erweisen sich ganze Abteilungen der Sitte als Komplizen der Mafia, und auch beim Morddezernat wird kräftig verschleiert. Muss einfach sein, weil die Guten eben auch nicht so gut sind.

Ach ja. Alles deutet auf Selbstmord, war es aber nicht. Ja, wenn es das gewesen wäre – wozu dann der Aufriss, einen Krimi zu schreiben? Der Zuschauer ahnt: Klar war es Mord. Und dann? Man fragt sich, ob man in einer Boulevardklamotte ist, oder in einer Ermittlung. Persönliches ist gefragt, Tatsachen oder gar Ermittlungsarbeit werden nebensächlich, genau wie die Handlung. Erst purzeln Münzen auf die Straße, dann flattert ein Geldschein herunter. Und schon denkt man: hey, da kommt doch noch etwas? Tatsächlich fällt schließlich (platsch!) ein Mensch herunter, der dabei ein Autodach verbeult.

Ein anderer Mensch, seines Zeichens Polizist (Sitte) wird parallel von einem weiteren Polizisten (ebenfalls Sitte) erschossen. Später wird seine sterbliche Hülle aufgefunden, natürlich von einem Gauner. Doch leider verbleibt dessen Körper im Kofferraum eines Autos, das … ach, welche glückliche Fügung – bei einem Schrotthändler deponiert wurde. Schon denkt man: Aha, und wann wird es geschreddert? Es wird – mitsamt der Leiche. Welch toller Einfall, nicht wahr?

Oh ja, toll. Aber wird werden aufgeklärt: zum Beispiel vom Tagesanzeiger, der schreibt (wohlmeinend, aber vielleicht sogar zutreffend):

Klar, dass der Drehbuchautor Erol Yesilkaya keinen realistischen Kriminalfall inszenieren, sondern Klischees und Konventionen hinterfragen wollte.

Für eine Kriminalsatire reichte es aber nicht, weil die Stellen zum Lachen fehlten – und die Figuren nicht „überzogen“ genug waren. Klar ist die Psychologin Anna Janneke ein bisschen neben der Spur, klar ist Kollege Paul Brix ein einsamer Wolf mit eigenen Gesetzen. Aber das reicht eben nicht – und mal ehrlich, heute ist „Kottan ermittelt“ auch nicht mehr so witzig, wie es mal war.

Ach ja – die Presse meint überwiegend, das sei Autor und Regie eine ganz große Nummer gelungen. Und fragt, was der typische Zwerg Nase, der „Tatort“ sieht, nun wirklich wissen will. Was ist eigentlich mit dem Kommissar und seiner eigenartigen Mitbewohnerin? Und wie wird sich das Verhältnis von Kommissar und Psychologin entwickeln?

Ein Kriminalfilm? Eine Krimisatire? Ein Sammelsurium schrulliger Typen? Nein, nein: Irgendetwas muss das Fernsehen ja am Sonntagabend bringen. Und erwartet wird ein „Tatort“. Also wird auf Biegen und Brechen einer gebastelt. Und heraus kommt dann eben eine Krimi-Klamotte.

Die Rattenfänger des Fernsehens

Eine auf Kunstfilm getrimmte Romantik-Schauder-Story, als Geschichte schlecht angelegt und ebenso schlecht aufgebaut: Das war der „Fernsehfilm der Woche“ mit dem Titel „Die Toten von Hameln“. Wer die Ratten waren, die da gefangen werden sollten, wurde schon zuvor klar: Fernsehzuschauern wurde im ZDF das Blaue vom Himmel und das rote der Hölle versprochen, wenn sie den Film sehen würden. Doch schon im ersten Drittel des Films wurde klar: Da ist man den Rattenfängern des ZDF in die Höhle gefolgt.

Multiple Persönlichkeit, schlecht angelegt

Die Heldin ist Chorleiterin, und sie leidet offenbar unter einer schweren Psychose. Das Buch ist so angelegt, dass man nicht recht unterscheiden kann, wer gerade in dieser Frau spielt: die Liebende, die Tochter, die Chorleiterin, die Meschuggene, die Hellsichtige? Wie in einer schlechten Mischmarmelade wird alles in diese Frau hineingelegt, und da kommt natürlich die Frage auf: Wie soll das die Schauspielerin bewältigen? Indem sie überwiegend leidend, zumeist aber nur rehäugig in die Gegend schaut. Filmkritiker behaupten, sie könne wesentlich mehr als dies, andere wollen dann und wann ein schauspielerisch wertvolles Zucken der Gesichtsmuskulatur bemerkt haben, das angeblich lobenswert ist. Sei es drum. Ich beurteile keine Schauspieler, sondern Storys.

Nichts passt in den "Toten von Hameln"

Die Geschichte hat mehrere Handlungsstränge, die sich überschneiden, aber nicht recht passen wollen. Da ist einmal ein dunkles Familiengeheimnis, das bereits einen Mord zur Folge hatte. Und da sind andererseits junge Mädchen, die ein Höhleneingang verschlungen hat und mit deren Hilfe nun Assoziationen an den „Rattenfänger von Hameln“ erzeugt werden. Die Bergrettung wird sich um sie kümmern. Man vermisst Anteilnahme seitens der Heldin, doch die ist ja meschugge. Warum aber auch die andren Chormädchen kaum Anteil am Verschwinden nehmen, bleibt unklar. Und derweil klärt die Heldin Familiengeheimnisse wie Frau Kommissarin im Krimi – plötzlich und mit dem ersten Griff in den Nachlass eines verstorbenen. Später freilich erinnert sie sich sogar, den Mord gesehen zu haben … aha, da begann also die Psychose. Nun ist auch das geklärt.

Liebe als fade Beigabe

Bleibt die Liebe. Irgendwie liebt die Chorleiterin den Organisten, der wieder bezichtigt wird, ein Chormädchen zu lieben. Aber irgendwie liebt niemanden den anderen wirklich. Wie der Kitsch des Schicksals es will, liebt die Chorleiterin aber noch ihren Ex-Verlobten, den sie bei dieser Gelegenheit wiedertrifft. Wie tröstlich. Und einfach, denn der Organist machte sich davon, wie der Rattenfänger von Hameln. Was die Figur eigentlich soll, bleibt unklar, und am Ende sitzt er dann auch auf einem Berg und hält eine Panflöte in der Hand. Soll wohl irgendetwas symbolisieren.

Wald, Deutsch, Schuld - am Ende nur fade

Vielleicht sollte die Story ja besonders Deutsch sein: deutscher Wald, deutsche Sagenwelt, deutscher Sang, deutsches Seufzen, dunkle deutsche Geschichte mit Schuld ohne Sühne.

Ja, sie war besonders deutsch: fad und in der Fadheit völlig überzogen.