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Schriftstellerin, Maurerlohn und Huren

Horrorstorys über Huren: Sie machen es schon für 20, 10 oder gar fünf Euro. Das entrüstet sich nicht nur die Kirchengängerin und die Gewerkschaftlerin, sondern auch die Presse macht dicke Backen. Seht, alles versinkt im Elend – eine Folge des ausbeuterischen Kapitalismus im sexistisch verseuchten Deutschland. In Wahrheit: Meinungsmache, um die Theorie von der „weitverbreiteten Armutsprostitution“ zu untermauern.

Horrorrealität in Deutschland: Eine Schriftstellerin bietet sich für einen Eurocent pro Wort oder 10 Euro Stundenhonorar an. In der Stunde muss sie also 1000 Wörter schreiben, überarbeiten, Korrektur lesen. Die Kirchgängerin, die Gewerkschaftlerin und die Presse lässt es kalt. Es ist keine Folge des Kapitalismus, und auch keine sexistische Erniedrigung. Offenbar ist es für manche Frau, die davon leben will, Alltag.

Übrigens (Zitat):

Im Westen beträgt der Mindestlohn des Stundenverrechnungssatzes im Jahre 2013 für einen Maurer 13,70 Euro.


Von den 13,70 Euro ist dann allerdings schon ein Teil der Rentenversicherung und der Krankenversicherung bezahlt, der Maurer bekommt Urlaub und im Krankheitsfall ist er ebenfalls abgesichert. Die Schriftstellerin hingegen – wenn ihr ungefähr 5,50 Euro übrig bleiben, hat sie annähernd richtig kalkuliert.